Hinweis für Gemeinden

Beabsichtigen Gemeinden Biotop-Pflegeprojekte mit Schafen und Ziegen zu starten, stellt sich meist die Frage, welche Tierhalter im Umfeld ausreichend Vieh halten und welche standörtlichen Ansprüche diese Tiere haben. An dieser Stelle verweisen wir auf die Kontaktadressen der Schaf- und Ziegenzuchtverbände. Hier erhalten sie Auskunft!

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Schafe und Ziegen als Landschaftspfleger

Zwergsträucher sind häufig dominant in unterbestoßenen Almen
Schafe und Ziegen haben ein breiteres Futterspektrum als Rinder und Schafe. Sie verursachen weniger Trittbelastung und schonen so die Vegetationsnarbe.

Schafe und Ziegen haben ein breiteres Futterspektrum als Rinder und Schafe. Sie verursachen weniger Trittbelastung und schonen so die Vegetationsnarbe.

Ziegen benutzen zum Festhalten des Futters nicht die Zunge, sondern die sehr beweglichen und zum Greifen geeigneten Lippen. Dies ist auch die Ursache für das feine Selektionsverhalten und für den relativ tiefen Abbiss. Die Schafe reißen das Gras durch Festhalten der Pflanzen zwischen den unteren Schneidezähnen und der oberen Dentalplatte ab, dies jedoch mit deutlich kräftigerem Ruck als Rinder. Die tägliche Futteraufnahmemenge liegt zwischen 2 und 3,5 kg Futter-Trockenmasse, sie korreliert eng mit dem Lebendgewicht der Tiere.

In der Schafhaltung gibt es mehrere Betriebsformen:

  • Wanderschäferei
  • Standortgebundene Hütehaltung
  • Standweide
  • Umtriebsweide
  • Stallhaltung

Von diesen sind Standweide, bei der die Tiere die ganze Weideperiode über auf der gleichen Fläche bleiben, was zuerst zu Unter-, später zu Überbeweidung führt, und Stallhaltung nicht für die Landschaftspflege geeignet.

Wanderschäferei und standortgebundene Hütehaltung erfordern große Herden und somit auch große Flächen. In Gebieten mit kleinparzellierten Grundstücken kann diese Form der Beweidung zumindest im Frühjahr und Sommer zu Konflikten führen. Eine Nachbeweidung im Herbst hingegen dürfte unproblematisch sein.

In folgenden Fällen ist es sinnvoll, Schafe nicht zu hüten, sondern zu koppeln:

  • in kleinparzellierten Gebieten können einzelne Grundstücke eingekoppelt werden;
  • stark verbuschte Flächen können eingekoppelt werden, um den Gehölzverbiss zu fördern;
  • Kleinstrukturen, z. B. Nassstellen, Raine, trittempfindliche Pflanzenbestände, können ausgekoppelt werden, um sie zu erhalten.

Auf alle Fälle sollten aber vorher die Pflanzengesellschaften ermittelt werden. Je mehr Magerkeitsanzeiger vorhanden sind, umso eher sollte man von einer Koppelhaltung Abstand nehmen.

In ihrem Fressverhalten sind Ziegen den Schafen ähnlich, die Futteraufnahme je Tier beträgt etwa 2,3 kg Futter-Trockenmasse, wobei Milchziegen deutlich mehr Futter aufnehmen als Fleischziegen. Der große Vorteil von Ziegen ist deren Vorliebe für Baumlaub. Dazu erheben sie sich auf ihre Hinterbeine und drücken mit den Vorderbeinen die erreichbaren Äste herunter, um die Blätter abfressen zu können.

Die häufigste Haltungsform bei Ziegen ist die Stallhaltung, wobei die Tiere durchaus einen täglichen Auslauf erhalten können. Dieser erfolgt in einer Koppel. Ein Auslauf durch 'Tüdern' oder Auspflocken, bei dem die Ziege mit Halsband und langer Leine oder Kette fixiert wird und im Umkreis um den Anbindepunkt ihr Grünland abweiden kann ist nach der Tierhaltungsverordnung Anlagen-Nutztiere von 2004 nicht mehr gestattet.

Fleischziegen können das ganze Sommerhalbjahr auf der Weide bleiben, wobei sie gegen Wind und Regen empfindlicher sind als Schafe. Auch Mutterziegen mit Lämmern kann man auch nachts auf der Weide lassen, sofern das Wetter dies zulässt. Für die Landschaftspflege dürfte dies die geeignetste Haltungsform sein. Ziegen haben sich bei der Pflege von verbuschten Magerrasen und Sukzessionsflächen (sich selbst überlassene, in den Wald übergehende, ehemalige Wiesen und Weiden) bestens bewährt.

Von jeher Tradition: Alpung

in schwierigem Gelände wurden Schafe und Ziegen schon immer zur Pflege der Almen verwendet
Aufgelassene Bergmahd

Im gesamten Alpenraum wurden Schafe und Ziegen schon immer zur Pflege der Almen verwendet. Tiefgründige Böden mit üppigem Wuchs beherbergten ursprünglich meist Bergmähder, flachgründige, steile Bereiche waren Schafweiden.

Die Ausdrücke Grasberge und Schafberge sind uns vielerorts noch bekannt. Diese Begriffe stammen aus ehemaliger Nutzung bestimmter Almflächen als Bergmähder und Schafweiden. Ein Großteil dieser Flächen ist extrem steil und von Rindern nur mit erheblichem Risiko zu begehen. Die almwirtschaftliche Nutzung ist nur durch Schafe oder Ziegen möglich. Durch die fast gänzliche Aufgabe der Bergmahd, aber auch durch Einstellung der Schafbeweidung von Steilhängen und Oberhängen kommt es oft zu starker Blaikenbildung. Über deren Ursache gibt es unterschiedliche Hypothesen:

Das lange „Gras“ wirkt im Winter als Rutschbahn für den Schnee, dies führt zu erhöhter Lawinengefahr.
Durch das lange Gras friert der Schnee an diesem fest und reisst den Boden mit und damit entstehen Initialstadien für Blaiken. Früher wurden Erosionsstellen in Mähder- und Weideflächen immer wieder ausgebessert. Dies wird heute praktisch nicht mehr gemacht.
Gegen die Schneerutsch- Blaikentheorie spricht, dass gerade bei Beweidung zahlreiche offene Stellen an Hängen entstehen, die eigentlich Initialstadien von Blaiken sein könnten. Tatsächlich haben Almen, sowohl beweidete wie auch aufgelassene, viel seltener Blaiken als Mähderbrachen. Weiters kann man auch in genutzten Mähdern Blaikenentstehung beobachten, die aber nicht weiter fortschreiten kann, wenn die Schadstellen ausgebessert werden. Ebenso werden aufgelassene Almweiden und Bergmähder weniger gerne vom Wild beäst. Der Grund hiefür liegt an der Überständigkeit der Gräser bei ausbleibender Bewirtschaftung.

Daraus lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

  • Auf Weideflächen ist der Boden verdichtet und daher weniger erosionsanfällig als auf Mähdern oder Brachen.
  • Beweidung von Steilflächen verhindert zum Teil Schneebrett- und Lawinenabgänge.
  • Durch Almweide wird dem Wild junges Gras zur Verfügung gestellt.

Ziegen wurden auch auf den Almen vorwiegend zur Schwendung verbuschter Bereiche eingesetzt. Während in früheren Zeiten Ziegen häufig auf Almen anzutreffen waren, sind sie heute auf unseren alpinen Weiden selten geworden. Die heimischen Bergziegenrassen, wie Pinzgauer Ziege, Gemsfarbige Gebirgsziege, Tauern- Schecken, Pfauen- und Strahlenziege sowie Gletschergeiß (Walliser Ziege) sind durch eine Vielfalt von Merkmalen an die Gebirgsbedingungen angepasst. Die Ziege bevorzugt bei ihrer Nahrungsaufnahme ein vielfältiges Angebot und ist damit für die Landschaftspflege besonders prädestiniert. Rinder und Ziegen ergänzen sich gut in der Weidehaltung.

Als Mischfutterfresser benötigt die Ziege ein ausgewogenes Futterangebot von Kräutern, Laub von Zwergsträuchern und Büschen, Gras und, wenn vorhanden, auch Nadelbaumzweigen. Die Beliebtheit von Futterpflanzen richtet sich nach dem Angebot. Ziegen nehmen ca. drei Viertel des um sie herum vorhandenen Pflanzenartenspektrums auf. Fast jede Pflanzenart wird zumindest gelegentlich von den Ziegen ausprobiert. Selbst den hochgiftigen Eisenhut kosten Ziegen ohne Schaden und auch eine Trächtigkeit hindert sie nicht daran giftige Pflanzen aufzunehmen. Nach einer Untersuchung an den Tauern Schecken, machen krautige Nahrung, Zwergsträucher und Laubgehölze (Sträucher und Laubbäume) auf typischen Pinzgauer Almen jeweils knapp ein Viertel der Gesamtnahrung aus; Gräser und Nadelbaumäsung zusammen überschreiten den vierten Teil nur geringfügig. Über die gesamte Almsaison werden durchschnittlich 65,4 % aller Bissen von Gehölzpflanzen genommen. Davon stammt der Großteil von Gebüsch und Zwergsträuchem; reine Baumäsung an Laub- und Nadelbäumen erreicht insgesamt einen Anteil von etwa 20 % der Gesamtnahrung. Dieser wird von Einzelbäumchen und Sämlingen gewonnen, für deren entfernen die Ziegen wertvolle Hilfe leisten.

Ihr Futterbedarf lässt sie den halboffenen Strauchgürtel oberhalb der Waldgrenze aufsuchen, geschlossene Wälder aber entschieden meiden. Bergziegen brauchen Aussicht und Überblick in ihrem Lebensraum, um sich wohl zu fühlen. Wie Beobachtungen gezeigt haben, können undurchsichtige Waldstreifen sogar als – natürliche Lebensraumbegrenzung für Ziegenherden dienen. Baumbestände, die keinen Durchblick ins Freie erlauben, betreten Ziegen selbst in menschlicher Begleitung nur zögernd. Als natürliche Begrenzungen von Ziegenterritorien eignen sich auch reisasende Wildbäche und Sumpfwiesen.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist keine dauerende Behirtung notwendig. Unbehirtete Almen können für Ziegen genutzt werden, und zwar dann, wenn sie über eine artgemäße Infrastruktur verfügen:

  • ausgewogenes Nahrungsangebot aus Zwergsträuchern, Sträuchern und krautreichen Wiesen
  • ausreichend Schattenspender
  • Hanglage mit guter Aussicht
  • reines, womöglich fließendes Wasser als Tränke
  • geschützter und zugleich Überblick gewährender, zentraler Schlafplatz
  • Aktivitätszentrum mit Leckstelle

Wenn diese Einrichtungen vorhanden sind, können Ziegen in einem Gebiet auch ohne ständige Anwesenheit des Halters heimisch gemacht werden. Veranlassen Kraftfuttergaben auf Milchalmen die Ziegen dazu, abends von der Tagesweide zum Melken zur Hütte zu kommen, so müssen auf unbehirteten Almen analoge Strukturen vorhandensein, die die Standorttreue der Tiere gewährleisten. Ziegen sind trotz ihrer Neugierde Gewohnheitstiere, die einen regelmäßigen Rhythmus zwischen Aktivität und Ruhezeiten suchen. Ein ausgeprägtes Zentrum, bestehend aus einem Unterstand für die ganze Herde und einer regelmäßig beschickten Leckstelle ist unerlässlich. Wichtig ist bei dessen Auswahl, dass die Aussichtsmöglichkeit gegeben bleibt.