Blauzungenkrankheit erreicht Nordeuropa
Im August 2006 wurde die Blauzungenkrankheit (Bluetongue) erstmals in Nordeuropa (Niederlande, Belgien und Deutschland) nachgewiesen. Bislang blieb ihr Auftreten in Europa auf die südlichen Regionen (Zypern, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Südfrankreich) beschränkt. In Österreich konnte die Erkrankung bisher noch nicht festgestellt werden. Die Blauzungenkrankheit ist eine nicht ansteckende, durch stechende Insekten von Tier zu Tier übertragene Viruserkrankung der Schafe, Rinder, Ziegen und Wildwiederkäuer. Für den Menschen gilt sie als ungefährlich.
Infektionswege
Das Virus der Blauzungenkrankheit ist sehr widerstandsfähig. Es gibt verschiedene Virusstämme, die über unterschiedliche krankmachende Eigenschaften verfügen. Träger des Virus sind in erster Linie Schafe und Rinder, seltener Ziegen und Wildwiederkäuer. Blutsaugende Insekten, in erster Linie Culicoides Stechmücken, aber auch Schaflausfliegen übertragen das Virus. Das Auftreten von Erkrankungen steht in direktem Zusammenhang mit dem Insektenflug (Juni bis November). Rinder und Wildwiederkäuer, die Virusträger sind, aber nicht erkranken, sind das Virusreservoir. Die Einschleppung des Virus in freie Regionen kann durch den Handel mit infizierten Tieren oder deren Sperma erfolgen. Es ist aber auch möglich, dass Virus tragende Stechmücken durch den Flugverkehr in Virus freie Regionen verschleppt werden und dann dort Tiere infizieren. Culicoides Stechmücken überleben den Winter in den nördlichen Gebieten Europas normalerweise nicht.
Auswirkungen der Infektion
Das Virus schädigt in erster Linie die Zellen der Körperabwehr und der Blutgefäßwände. Blutungen, Ödeme, Erosionen und Geschwüre an den Schleimhäuten im Maulbereich und der Haut sind die Folge. Die Zeitspanne von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt zwischen 5 und 12 Tagen. Die Krankheitserscheinungen und die Todesrate sind sowohl von Tierart und deren Rasse als auch vom Virusstamm abhängig. Beim Schaf sind leichte Erkrankungen aber auch schwerste Verlaufsformen möglich. Hohe Todesraten (30%) sind vor allem bei europäischen Schafrassen wie den Merinos zu erwarten. Lämmer sind besonders empfindlich, die Todesrate kann bis zu 90% betragen. Bei Rindern findet meist eine stille Infektion statt, ohne dass sie sichtbar erkranken. Das Virus kann im Blut von Schafen 3 – 4 Wochen, bei Rindern bis zu 8 Wochen nach der Infektion nachgewiesen werden.
Krankheitserscheinungen
Die Entzündung von Schleimhäuten und die Gefäßschädigungen führen zu Blutungen, Ödemen und Blauverfärbungen im Bereich des Maules und der Zunge. Bildung von Geschwüren und abgestorbenen Gewebsbezirken an der Haut und Schleimhaut im Maul, an den Lippen und der Nase. Typisch sind die Ödeme an den Lippen, Augenlider und Ohren. Auch am Unterkiefer kann ein Ödem auftreten. Schaumiger Speichelfluss, seröser bis eitriger Nasenausfluss und krankhafte Veränderungen der Atemwege sind häufig. Infolge von Entzündungen an den
Klauen entsteht Lahmheit.
Erkrankungen mit ähnlichen Krankheitsbildern
Maul- und Klauenseuche, Lippengrind, Moderhinke, Schafpocken, Entzündungen der Maulschleimhaut, Verätzungen.
Bekämpfung
Die Blauzungenkrankheit ist in allen Ländern der EU anzeigepflichtig. Bei Auftreten der Erkrankung werden Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet, in denen die dort gehaltenen Wiederkäuer einer amtstierärztlichen Kontrolle unterzogen werden. Die Bekämpfung der die Erkrankung übertragenden Insekten ist von entscheidender Bedeutung.
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