Klauenpflege – die einzelnen Schritte
Bei der Klauenpflege werden lediglich die über die Klauensohle überstehenden Klauenränder, also der innere und äußere Tragrand entfernt. Der äußere Tragrand wird bis auf Höhe der Sohlenfläche zurückgenommen, abstehende Hornteile am Ballen und vor allem an der Innenseite des Tragrandes müssen sorgfältig entfernt werden.
Bei funktioneller Klauenpflege wird das Entstehen einer Doppelsohle verhindert, unter der sich Schmutz und Bakterien aufhalten und zu Erkrankungen führen können. Sind die Klauen stark angewachsen, so biegt sich vor allem der äußere Tragrand nach innen um, man sieht auf dem ersten Blick eine glatte harte Sohlenfläche, ein äußerer Tragrand bzw. dessen Kante ist nicht erkennbar.
Dies kann so weit gehen, dass sich eine Rollklaue entwickelt. Der umgeklappte Tragrand wird durch das Körpergewicht des Schafes an die Sohlenunterfläche gepresst, im Spalt dazwischen befinden sich immer Kotreste, Schmutz und vor allem auch Bakterien. Durch das Anpressen erhält der Spalt Luftabschluss. Sind Moderhinkekeime im Schmutz bzw. Boden vorhanden, so können sich diese unter den anaeroben Verhältnissen im Spalt sehr gut vermehren. Moderhinke entsteht in der Folge v.a. dann, wenn regelmäßiges Zurückschneiden der angewachsenen Klauenränder unterbleibt.
Klauenpflege soll immer auf befestigtem Untergrund außerhalb der Boxen durchgeführt werden. (siehe Rubrik Moderhinke) Vor Beginn der Klauenpflege ist das Klauenpflegeset vorzubereiten, die Messer frisch zu schleifen und Verbandszeug bzw. Desinfektionsmittel sowie Besen und Schaufen zum Beseitigen von Hornmaterial bereitzuhalten.
Klauenpflegeset (Abb.1):
- Hufmesser (mind. 2 Messer – einseitig oder beidseitig geschliffen) – Abb. 2
- Hufschere (Tip: eine “normale” Gartenschere/Zweigschere tut's auch!) – Abb. 3
- Schleifstein
- Verbandszeug (Mullbinden, Watte)
- Desinfektionsmittel (zum Desinfizieren des Werkzeugs im Falle von Klauenerkrankungen)
- Wundspray (für kleine Verletzungen, wenn zu tief geschnitten wird,…)
- Handschuhe
- Viehzeichenstifte (zum Markieren von Tieren mit z.B. Moderhinke,…)
Worauf muss beim Bearbeiten der Klaue geachtet werden?
Vor Beginn der Klauenpflege sind die Klauen zu betrachten, Verschmutzungen und verkrustete Einstreu/Kotpartikel sind vom Horn zu entfernen. (Abb.4) Der Zwischenklauenspalt ist zu beurteilen (Abb.5) und auf eventuelle Verletzungen bzw. Veränderungen zu untersuchen. Danach wird beurteilt, wieviel Horn zu entfernen ist.
Die Schnittführung hat immer vom Ballen Richtung Zehenspitze zu erfolgen. Man beginnt am äußeren Tragrand (Abb.6) und führt das Hufmesser immer plan an der Sohle entlang und zieht dieses nach vorne zur Zehenspitze wobei der Schnitt seicht beginnt und nach vorne zu tiefer wird. Es ist darauf zu achten, dass die Auftrittsfläche von hinten nach vorne plan verläuft. Häufig bemerke ich, dass die Klauen, vor allem wenn mit Hufmessern gearbeitet wird, von hinten nach vorne eine Wölbung nach oben aufweisen, weil beim zur Zehe ziehen des Messers in der Mitte zu viel weggenommen wurde und an der Zehenspitze im Vergleich dazu zuviel stehengelassen wird. Es ist also besonders darauf zu achten, dass das Tier beim Auftreten mit dem gesamten Tragrand von der Zehenspitze bis hinten zum Ballen gleichmäßigen Bodenkontakt aufweist.
Nach dem Kürzen des äußeren Tragrandes wird der innere Tragrand (Abb.7) soweit gekürzt, dass alle losen Hornteile entfernt werden und der innere Tragrand das gleiche Höhenniveau aufweist wie der äußere. Danach wird die Zehenspitze gekürzt. (Abb.8). Erst im Anschluss an die Bearbeitung der Klauenränder sollte die Klauenspitze in einem Winkel von ca. 45° (bzw. 50° an den Hinterextremitäten) zurückgeschnitten werden, weil man so am übersichtlichsten beurteilen kann, wieviel Horn an der Spitze wegzunehmen ist – zu tiefes Schneiden und in der Folge Verletzungen wird dadurch vorgebeugt!
DER INNERE TRAGRAND MUSS IM VORDEREN DRITTEL EBENSO WIE DER ÄUSSERE TRAGRAND BODENKONTAKT HABEN!
Die Innentragfläche muss im vorderen Bereich auf gleicher Höhe des äußeren Tragrandes gekürzt werden. Sie darf den Bodenkontakt im vorderen Drittel nicht verlieren, dahinter sollte die Hohlkehlung geschnitten werden.
Nach dem Kürzen der gesamten Tragränder wird die Hohlkehlung geschnitten (Abb.9). Dabei ist darauf zu achten, dass möglichst viel vom inneren Tragrand im vorderen Drittel stehenbleibt, danach soll ohne Kanten eine Rundung, die sogenannte Hohlkehlung herausgeschnitten werden, bis beim Betasten der Klaue von unten nach oben eine glatte Oberfläche entsteht. Man muss die Richtung des Schmutzes damit simulieren und sich vorstellen, dass der Schmutz ungehindert von unten nach oben durchgepresst werden kann.
Die Tragränder sind immer nur soweit zurückzunehmen, dass noch vollständiger Bodenkontakt gegeben ist – schräges Anschneiden über das Niveau der Sohle hinauf darf nicht gemacht werden, da dadurch das gesamte Gewicht des Tieres allein von der Sohle getragen werden muss und die Funktion des eigentlichen Tragrandes verloren geht, was dazu führt, dass die weiße Linie besonders beansprucht wird und die Funktionalität einer gesunden Klaue nicht mehr gegeben ist.
Es ist darauf zu achten, dass nach Zurückschneiden der Tragränder sämtliche Kanten “gebrochen” werden, d.h. an den durch das Wegschneiden der Tragränder entstandenen scharfen Kanten sollte ca. 1 mm Horn im 45°-Winkel noch weggenommen werden (am besten mit einem Hufmesser), damit die Schärfe der Kante verloren geht. Dies ist aus 2 Gründen wichtig: Erstens kann das Tier bei Aufspringen auf andere Tiere diese nicht so leicht verletzen und zweitens brechen nicht mehr so leicht Hornteile vom Tragrand aus, da die Kanten abgerundet worden sind. Dieses sogenannte Kantenbrechen darf aber nicht soweit erfolgen, dass vom Tragrand nichts mehr stehenbleibt und die Schräge bis zur weißen Linie reicht !!!
ES MUSS AUSSERHALB DER WEISSEN LINIE NOCH EINIGE MM TRAGRANDHORN VORHANDEN SEIN UND BODENKONTAKT HABEN!
Beim Beschneiden der Zehenspitze ist besonders darauf zu achten, dass nur Wandteile weggenommen werden. Gerät man an der Spitze zu tief, befindet man sich in unmittelbarer Nähe zur Klauenbeinspitze. Dies würde hochgradige Lahmheit und starkes Bluten zur Folge haben. In diesen Fällen ist ein Druckverband nötig, um die Blutung zu stillen. Ist das Tier an Moderhinke erkrankt, darf der Wundverband nur so lange angelegt werden, bis die Blutung zu stehen kommt, nach ca. 30 min sollte der Verband wieder abgenommen werden, um das weitere Wachstum von Moderhinkekeimen zu verhindern. (siehe auch in der Rubrik: Moderhinke)
Die Klauensohle (Abb. 14) muss in den meisten Fällen nicht beschnitten werden, lediglich loses Horn sollte weggekratzt werden und ein “kosmetischer Schnitt” (= maximal 1 mm) sollte über die Sohle geführt werden, damit das Horn wieder speckig ist und man beurteilen kann, ob sich keine Hornklüfte oder Verletzungen des Horns darunter befinden. In den meisten Fällen kann wie gesagt ein Beschneiden der Klauensohle unterlassen werden, nur bei sehr vernachlässigten oder erkrankten Klauen ist dies notwendig.
Der Ballen wird immer nur so weit beschnitten, dass die Klaue eine korrekte Stellung erhält. Lose Hornteile und Horn, das wegsteht, soll entfernt werden, bis der Ballen eine glatte Oberfläche aufweist und keine Hornteile mehr abreißen können bzw. wegstehen. (Abb.10). Zum korrekten Fußen muss die Klaue an der Innenseite am Übergang vom 1. zum 2. Drittel der Klauenlänge eine Hohlkehlung aufweisen, die bis zum Ballen reichen sollte. Der Rest der Tragfläche und der Tragränder und der Ballen sollten Bodenkontakt haben.
Dadurch kann weicher Schmutz und Einstreu oder Morast durch den Zwischenklauenspalt leicht entweichen. Dieser wird dann zwischen den Klauen durchgepresst und fällt an der Oberseite leicht ab. So reinigen sich die Klauen von selbst. Die Kante der Innenklauen muss besonders gut abgerundet werden. Die sogenannte “Hohlkehlung” an der Innenseite der Klauen muss von unten nach oben glatt und ohne Kanten und Vorsprünge verlaufen, um eine Selbstreinigung der Klaue zu gewährleisten. Befinden sich hier Kanten oder bleiben Hornklüfte stehen, fängt sich der Schmutz und wird nicht mehr zwischen den Klauen nach oben transportiert, sondern in der Hornkluft eingepresst und sammelt sich immer weiter an.
