Nährstoffbedarf von Schafen und Ziegen
Je nach Alter und Leistung der Tiere ergibt sich ein unterschiedlicher Anspruch an die Nahrung
Schafe und Ziegen sind wie Rinder Wiederkäuer. Die Ration sollte deshalb auch wiederkäuergerecht sein, was heißt, dass ausreichend strukturwirksames Grundfutter gegeben werden soll, um die Pansenfunktion zu unterstützen.
Flushing-Fütterung
Oft wird der Begriff Flushingfütterung genannt. Einfach übersetzt lässt sich der Begriff damit erklären, dass insbesondere Schafe eine bessere Fruchtbarkeit zeigen, wenn man einige Wochen vor dem beabsichtigten Decktermin die Nährstoffzufuhr und insbesondere auch die Vitaminzufuhr erhöht, um damit die Leistung der Eierstöcke der Muttertiere anzukurbeln. Dies wirkt sich dann darin aus, dass die Tiere aufgrund der plötzlich besseren Nahrungssituation im Körper deutlichere Brunstsymptome zeigen und mehr Follikel (Eizellen) auf den Eierstöcken gebildet werden bzw. ausreifen. Die Flushingfütterung sollte über einen Zeitraum von wenigen Wochen durchgeführt werden, weil ein Verfetten der Tiere verhindert werden soll. Werden die Muttertiere während des Jahres gänzlich ohne Kraftfuttergaben gehalten, ist zu bedenken, dass die Verdauung der Tiere erst an das Kraftfutter angepasst werden muss (deshalb sollte ca. 2-3 Wochen vor dem Decktermin langsam mit der Zufütterung begonnen werden, um den Tieren Zeit zu geben, das Pansenmilieu auf die neue Ration einzustimmen).
Die Flushingfütterung sollte nach ca. 3 Wochen nach dem Decktermin wieder abgesetzt werden. Beim Absetzen der energiereichen Ration ist darauf zu achten, dass das Kraftfutter in Etappen reduziert wird. Generell ist bei jeder Futterumstellung zu beachten, dass diese schrittweise gemacht werden soll, um den Stoffwechsel der Tiere nicht zu beeinträchtigen.
Folgende goldene Regel muss bei einem Futterwechsel beachtet werden:
DER PANSEN VON SCHAFEN UND ZIEGEN BENÖTIGT IMMER 2-3 WOCHEN BIS EINE AUSREICHENDE ANZAHL AN PANSENMIKROBEN (= KLEINE ORGANISMEN/EINZELLER IM PANSEN, DIE DIE NAHRUNGSBESTANDTEILE ZERKLEINERN UND VORVERDAUEN) GEBILDET WIRD. OHNE PANSENMIKROBEN KÖNNEN WIEDERKÄUER DIE NAHRUNGSBESTANDTEILE NICHT VERDAUEN, ES KOMMT ZU FEHLGÄRUNGEN IM PANSEN UND IN DER FOLGE ZU STOFFWECHSELSTÖRUNGEN. NUR DURCH SCHRITTWEISE ANGEWÖHNUNG AN EINE NEUE RATION KANN DIES VERHINDERT WERDEN!
Die Flushingfütterung findet auch kurz vor der Geburt bis einige Wochen nach der Geburt Anwendung und sorgt hier für eine gute Anbildung des Euters und zu höheren Milchleistungen bei den Muttertieren. Insbesondere kann durch eine gezielte Anfütterung einige Wochen vor der Geburt und eine erhöhte Kraftfutterzulage bis ca. 2-3 Monate nach der Geburt bzw. während der Hochleistung (v.a. bei Mehrlingsgeburten, hoher Milchleistung,…) verhindert werden, dass starke Gewichtsschwankungen vorkommen. Die Muttertiere sind dadurch leistungsfähiger und gesünder (Auswirkungen auf die Leber – siehe Einführungstext)
Ernährung trächtiger Muttertiere
In der Frühträchtigkeit ist darauf zu achten, dass die Muttertiere nur den Erhaltungsbedarf entsprechend ihres Gewichtes benötigen. Führen die Muttertiere noch säugende Lämmer ist diesem Bedarf der Leistungsumsatz zuzurechnen.
Allgemein kann gesagt werden, dass mit gutem Grundfutter und zusätzlicher Gabe von vitaminisierten Mineralstoffmischungen bis zum letzten Drittel der Trächtigkeit ein Auslangen gefunden wird – ca. 3-4 Wochen vor dem Geburtstermin ist die Ration schrittweise und langsam zu steigern, bis kurz vor der Geburt die volle Ration, die auch während der frühen Laktation erforderlich ist, aufgenommen wird.
Bei Mehrlingsträchtigkeiten ist darauf zu achten, dass die Energiedichte des Futters entsprechend erhöht wird, da die Tiere aufgrund der Umfangsvermehrung im Bauch oft im Pansen eingeengt sind und es dadurch den Muttertieren am Ende der Trächtigkeit oft nicht mehr möglich ist die gesamte Trockensubstanzmenge aufzunehmen – dadurch kann es zu einem Energiemangel kommen (siehe Trächtigkeitstoxikose). Diese kann dadurch verhindert werden, indem energiereiches Kraftfutter der Ration zugesetzt wird.
Nachzuchttiere
Nachzuchttiere sollten nicht mit den Mastlämmern gemeinsam mit hohem Kraftfuttereinsatz aufgezogen werden sondern schon frühzeitig auf eine grundfutterreiche Ration umgestellt werden, damit ein gesunder Pansen heranwachsen kann und das Tier später fähig ist, die Futterrationen gut zu verdauen. Kraftfutter ist in den späteren Aufzuchtsmonaten bis kurz vor dem Decktermin bei guter Grundfutterqualität meist nicht notwendig. Auf eine ausreichende Mineralstoff- und Vitaminversorgung ist jedoch zu achten.
Die Erkenntnisse aus der Rinderfütterung, die zeigen, dass im ersten Lebensjahr schlank gehaltene Kalbinnen leistungsfähiger sind als frühzeitig verfettete Tiere, treffen ebenso auf Schafe und Ziegen zu.
Link:
Infobroschüre eines Futterherstellers – Ernährung von Schaf und Ziege


