Wie ziehe ich Milchproben richtig?
Bei Problemen mit der Eutergesundheit ist es notwendig, neben der regelmäßigen Durchführung von Schalmtests auch eine Erregerdifferenzierung durchführen zu lassen.
Bei Schafen ist der Schalmtest sehr aufschlussreich und in etwa gleich aussagekräftig wie bei Rindern. Bei Ziegen können keine genauen Aussagen getroffen werden, da Ziegenmilch natürlicher weise eine hohe Anzahl von Zellen enthält und der Schalmtest falsch positiv aufscheint. Zellgehalte von mehreren Hunderttausend sind bei Ziegen keine Seltenheit – und kommen in völlig gesunden Eutern vor. Bei Schafen muss bereits die Schlierenbildung beim Schalmtest mit Vorsicht genossen werden und ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass zumindest eine Sekretionsstörung vorliegt.
Bei Auftreten von Eutererkrankungen ist es besonders wichtig, zu einer Herdendiagnose zu kommen, um bei weiteren Erkrankungen möglichst rasch das richtige Medikament einsetzen zu können und auch prophylaktisch Maßnahmen setzen zu können.
Um den Krankheitserreger identifizieren zu können, ist die Einsendung einer aseptischen Milchprobe wichtig, nicht nur bei chronischen Verläufen, sondern auch im akuten Geschehen. Parallel zur Untersuchung auf die Keime ist es sinnvoll, ein Antibiogramm durchführen zu lassen, um das am besten wirksame Medikament zur Behandlung herauszufinden und die Therapie möglichst gezielt ansetzen zu können.
Auf besondere Hygiene ist bei der Entnahme zu achten! Viele der Proben sind im Labor praktisch nicht mehr zu verwenden, weil Schmutzkeime in das Gefäß gelangt sind und die Schmutzkeime den eigentlichen Erreger im Labor überwuchern – ein nicht mehr aussagekräftiges Ergebnis ist die Folge, die in den meisten Fällen völlig unzufriedenstellend für den Betrieb ist.
Vielfach hat sich genau aus diesem Grund der Irrglaube entwickelt, Milchproben sind unnötig und kosten nur Geld. Gezielt eingesetzt bieten sie eine ausgezeichnete Diagnose für die Herde – auch wenn sie vielleicht für das akut erkrankte Einzeltier nicht mehr ausschlaggebend ist. Bei weiteren Erkrankungen profitiert der Betrieb von einem Screening der Herde.
Wie bereite ich eine aseptische Milchprobe vor?
Zu Beginn ist darauf zu achten, dass man einen sauberen Stallmantel mit langen Ärmeln überzieht. Die Probensets sind vom Tierarzt zu besorgen und trocken und sauber in einem Schrank griffbereit aufzubewahren. Für den Notfall sollte eine versiegelte Packung auf Lager liegen bzw. so rasch als möglich besorgt werden.
Folgende Geräte und Utensilien sind vor der Entnahme bereitzuhalten:
- 1 Flasche mit ca. 70 %igen Alkohol
- Wattebauschen (lose Watte geht besser als Wattepads)
- Statt Alkohol und Watte können auch Einweg-Desinfektionstücher genommen werden
- 1 Packung mit den Probenröhrchen
- Arbeitsmantel (saubere Schutzbekleidung)
- 1 Blatt Papier mit Tabelle der zu untersuchenden Tiere (bei Herdenuntersuchung) – eingeteilt in linke und rechte Hälfte – Platz für Schalmtestergebnis einrechnen + Schreibzeug
- Euterpapier (Einwegtücher)
- Schalmreagenz + Schalmtestplatte
- 1 Eimer mit warmen Wasser zum Reinigen des Schalmtests nach Gebrauch
- Handtuch, Seife zum Händereinigen
Die Probengefäße sind im Vorhinein zu beschriften und entsprechend der Beschriftung heranzuziehen, um Verwechslungen auszuschließen und während der Entnahme möglichst viel Schreibarbeit zu vermeiden.
Wie führe ich die aseptische Milchprobenentnahme durch?
Folgende Reihenfolge zur Milchprobenentnahme muss beachtet werden, um aussagekräftige und möglichst saubere Proben zu erhalten:
1.) Euter und Zitzen mit Einwegtuch trocken säubern – eventuell überstehende bzw. im Weg stehende Wolle vorher auszupfen
2.) Schalmtest auf beideen Euterhälften durchführen
3.) Auswertung des Schalmtests in Tabelle eintragen (Helfer)
4.) Hände reinigen und gut abtrocknen
5.) Wattebausch in die Hand nehmen, Alkohol großzügig darüberleeren, ohne den Wattebausch mit der Flasche zu berühren
6.) Steht das Tier mit dem Kopf nach links: zuerst die rechte Zitze reinigen (Faustregel: zuerst die weiter entfernte Zitze reinigen, danach die nahe). Mit schraubenzieherartigen Bewegungen die Zitzenkuppe fest einreiben
7.) Wattebausch umdrehen und mit der noch sauberen Seite nochmals mit drehenden Bewegungen die Zitze gut abreiben – fest andrücken, damit der Alkohol gut einwirken kann, die Kuppenunterseite am Ende nochmals drehend abreiben, um alle Schmutzrückstände zu beseitigen
8.) Vorgang ab 5. wiederholen, die näher liegende Zitze ebenfalls reinigen
9.) Erstes Probengefäß nehmen, Verschlusskappe lockern – NICHT abnehmen
10.) Mit Probengefäß zum Euter neigen, Probengefäß dabei mit Öffnungsseite Richtung Boden halten (befinden sich Stabilisator-Kügelchen darin – lediglich waagrecht halten) – Probengefäß dabei mit Zeigefinger und Daumen halten
11.) Die Milchentnahme erfolgt in umgekehrter Reihenfolge wie die Säuberung der Zitzen – also zuerst die nähere Zitze, danach die weiter entfernte Zitze melken.
12.) Jetzt den Deckel mit der freien Hand abnehmen und zwischen Zeigefinger und Mittelfinger mit der Öffnung nach vorne einklemmen – Probengefäß dabei maximal waagrecht halten (es darf nicht möglich sein, dass von oben Schmutz ins Gefäß fällt)
13.) Zitze umfassen und einen dicken Strahl Milch in die Öffnung des Röhrchens melken – dabei darf das Röhrchen keinesfalls die Zitze oder ander Euterteile oder das Vlies berühren – Abstand halten
14.) Unmittelbar danach: Decken an Außenseite nehmen und Gefäß verschließen.
15.) Vorgang mit zweiter Zitze wiederholen
Weshalb ist diese Vorgangsweise so wichtig?
Es ist wichtig, dass bereits desinfizierte Zitzen nicht irrtümlich noch einmal mit dem schmutzigen Handrücken berührt werden. Deshalb ist zuerst die weiter entfernte Zitze zu desinfizieren, danach die näher liegende – die Probenentnahme genau umgekehrt durchzuführen.
Die Probengefäße sollten deshalb eher nach unten gehalten werden, damit keine Staubpartikel ins Gefäß fallen können. Der Abstand beim ERmelken der Probe ist deshalb wichtig, um Verschmutzungen und Keimeinträge mit Schmutzkeimen am Rand des Gefäßes zu verhindern.
Die Verschlusskappe darf nur außen angefasst werden, keinesfalls darf auf die Innenseite gegriffen werden – ansonsten ist wieder die Gefahr gegeben, dass Schmutzkeime das Probenergebnis beeinflussen!
Die genaue Vorgangsweise bei der aseptischen Milchprobenentnahme erklärt Ihnen Ihr Betreuungstierarzt gerne!
