Wie erkenne ich frühzeitig ein krankes Tier?
Wichtig ist es, das Normalverhalten seiner Herdentiere zu kennen. Die Herde ist regelmäßig im Ruhezustand zu beobachten. Die Futteraufnahme, Gruppenbildungen in der Herde sowie Körperhaltungen der Einzeltiere sind zu beobachten.
Erkrankte Tiere erkennt man oft schon aufgrund ihrer besonderen Körperhaltung bzw. aufgrund vermehrten Liegens, Mattigkeit, durch vermehrten Fliegenbefall bzw. durch Absonderung von der Herde. Stehen Tiere teilnahmslos vor dem Futterbarren und fressen nicht, kauen nicht mehr wieder, zeigen sie Zähneknirschen und aufgekrümmte Rücken und stehen sie mit nach hinten horchendem Kopf ruhelos da, deutet dies auf schmerzhafte Prozesse hin.
Im folgenden ist tabellarisch dargestellt, welche Veränderungen bei der Untersuchung des Tiers gefunden werden können und wie man diese möglicherweise interpretieren kann.
| Tier gesund | krankes Tier | |
1a. Allgemein-verhalten | ruhig und aufmerksam, (lebhaft und aufmerksam) | Allgemeinverhalten vermindert: matt, teilnahmslos, apathisch,(Absondern von der Herde), Bewusstlosigkeit - Zeichen für allgemeine Schwäche, Kreislaufprobleme, Infektionskrankheiten,...Vermehrter Fliegenbefall weist auf schwache, matte Tiere hin!!! Allgemeinverhalten gesteigert: Übererregbarkeit, Flucht nach vorne, auf- und niedergehen, Krämpfe, Schreie, Stöhnen, trippeln, im Kreis gehen (Zeichen für schmerzhafte Prozesse im Körper, ev. Vergiftungen, Störungen des Zentralnervensystems,...) |
| 1.b. Körper-haltung | Körperhaltung ohne Besonder-heiten | leerkauen (Zeichen für ZNS-Störungen), Zähneknirschen (Zeichen für Schmerz), Kopf horcht nach hinten (Schmerzen im Bauchraum?), Festliegen, aufgekrümmter Rücken (Schmerzen im Bauchraum), gespreizte Beine, Verweilen in Karpalbeugehaltung (Schmerzen in den Klauen,Beinen?), gesenkter Kopf (Mattigkeit), ständig abgespreizter Schwanz mit Öffnen und Schließen des Afters (Durchfall? Schmerzen beim Kotabsatz?), vermehrtes Liegen, pumpende Atmung mit nach vorne gestrecktem Kopf (Zeichen für Atemnot), Kopfhochstrecken ("Sterngucker" - Zeichen für Vitamin B1-Mangel), nach vorne Drängen an den Barren ohne zu fressen (Bleivergiftung???, ZNS-Störungen), vermehrtes Speicheln, Lecksucht (Juckreiz?, Mineralstoffmangel?), Wolleauszupfen,... |
| 2. Ernährungs-zustand | gut | vermindert: mindergut, schlecht, kachektisch (="Knochengerippe), starker Gewichtsverlust bzw. -schwankungen sind gefährlich! Lebererkrankungen sind oft die Folge! erhöht: sehr gut, adipös (=überfettetes Tier) - Gefahr der Organverfettung, Leberverfettung, Stoffwechselstörungen |
| 3.a. Haarkleid | der Rasse entsprechend, glatt glänzend anliegend | geträubtes Haar am Nacken und Rücken (Zeichen für Kälteempfinden, ev. Fieber), struppiges mattes Haarkleid - Zeichen für Mängel in der Ernährung bzw. Wurmbefall, Schuppenbildung, ... |
| 3.b. Hautober-fläche | ohne Besonder-heiten | Ekzeme, Risse, Krusten, Borken - Verdacht auf Ektoparasitenbefall? - darauf achten: Veränderung nur lokal oder generalisiert? Juckreiz vorhanden (Überprüfen mit Scheuerprobe: Tier am Rumpf kratzen: zeigt das Tier gesteigertes Wohlbefinden, leckt es sich und versucht sich zu scheuern, ist Juckreiz vorhanden) Ödeme in der Haut (am Unterhals, Brustbein, Euterhaut) sind Flüssigkeitsansammlungen - erkennbar durch eine Schwellung, die nicht vermehrt warm ist und in der Fingereindrücke bestehen bleiben (Dellen) - Zeichen für Kreislaufstörungen (ev. Blutverluste), Versackung von Gewebsflüssigkeit, Parasitenbefall |
| 3.c. Haut-elastizität | erhalten | vermindert: Hautfalte verstreicht nur langsam - Zeichen für Austrocknung des Körpers - bei z.B. Durchfall, verminderte Wasseraufnahme aufgehoben: Hautfalte bleibt bestehen, ändert sich kaum: AKUTE LEBENSGEFAHR: Tier ist bereits sehr stark ausgetrocknet! Bei Lämmern mit starkem Durchfall ist eine aufgehobene Hautelastizität innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen möglich - Flüssigkeits- und Elektrolytersatz mittels Infusion unbedingt nötig (TIERARZT!) - Nierenschäden möglich! |
| 3.d. Haut-temperatur | regelmäßig verteilt | gleichmäßig verteilt: Körperenden (Klauen, Ohren, Hornspitzen) vermehrt warm oder gleich warm wie der Körper - Zeichen für erhöhte Körpertemperatur Kalter Rücken/Körper: Zeichen für allgemeine Auskühlung des Körpers, Untertemperatur, ev. bei Milchfieber der Ziege möglich, kurz vor Tod: Kälte, bei neugeborenen Lämmern: Kälte als Zeichen von Unterkühlung und Energiemangel. unregelmäßig verteilt: heiße bzw. vermehrt warme Stellen - Zeichen für einen Entzündungsprozess - wenn schmerzhaft und geschwollen: Entzündung wahrscheinlich. vermehrt warme Klauen: Zeichen für Klauenrehe oder sonstige Entzündungsprozesse an den Klauen |
| 4.a. Innere Körper-temperatur | siehe Tabelle | einige Zehntel erhöht: Umgebungstemperatur und Tageszeit beachten: im Sommer und nach der Fütterung bzw. bei hochträchtigen kleinrahmigen Muttertieren kann es physiologisch sein, sonst subfebril! bis 1°C erhöht: geringgradige Erhöhung: Zeichen für Infektionsgeschehen - nicht so akut. mehr als 1°C erhöht: Zeichen für akutes Krankheitsgeschehen - ab 41°C besteht Lebensgefahr - TIERARZT!!!! Untertemperatur: Lebensgefahr für Lämmer ab unter 37,5°C |
| 4.b. Puls | regelmäßig, Gefäß gut gefüllt und gut gespannt | unregelmäßiger Puls: Zeichen für Kreislaufversagen, Probleme mit dem Herzen, Intoxikation Gefäß sehr weich, keine Spannung feststellbar: Zeichen für Kreislaufversagen, Versackung von Blut in der Peripherie Gefäß schlecht gefüllt: Zeichen für Kreislaufversagen, Blutverlust (Verletzung?, Parasiten/Blutsauger?), kommt auch bei Durchfall vor, wenn das Tier ausgetrocknet ist - hier aber pochender schneller Puls erhöhte Frequenz: Zeichen für schnellere Herzfrequenz - Ursachen vielfältig von Überanstrengung bis Infektionskrankheit bis Kreislaufversagen alles möglich |
| 5. Atmung | costo-abdominal, abdominal betont | Maulatmen/Schnappatmen/Afteratmen: Zeichen für akute Atemnot - egal welcher Genese Erhöhte Atemfrequenz: bei Fieber, Infektionskrankheiten, Atemnot, Kreislaufversagen, Überanstrengung,... Rasselgeräusche beim Atmen bzw. Giemen: Zeichen für Flüssigkeitsansammlung/Sekreten in den Atemwegen bzw. Atemnot, Stöhnen beim Atmen: Zeichen für Schmerzen beim Atmen Unterdrücktes Atmen mit flachen Atemzügen, ev. Stöhnen beim Atmen: Verdacht auf Schmerzen beim Atmen, ev. Lungenentzündung (va. bei Fieber)! |
| 6.a. Augen | blassrosa, kein Ausfluss | Ausfluss: Beurteilen der Konsistenz, beidseitig (Zeichen für generalisieres Geschehen) oder einseitig (Zeichen für lokales Geschehen), kontinuierlich - diskontinuierlich, gerötete Schleimhäute deuten auf ein entzündliches Geschehen hin, gestaute Gefäße in den Augen ebenfalls, verwaschene Schleimhäute (mit Grauschleier) weisen auf Vergiftungserscheinungen des Körpers hin. blasse Schleimhäute sind ein Zeichen für Blutverlust bzw. ein wichtiges Indiz für Parasitenbefall ("porzellanweiße Schleimhäute") Vorgefallene 3.Augenlider sind ein Hinweis für Parasitenbefall bzw. wenn Krämpfe vorliegen, ein Zeichen für Tetanus |
| 6.b. Nasen | rosarot, kein Ausfluss | Nasenausfluss ist gleich zu beurteilen wie Augenausfluss - Zeichen für Infektion des Atmungstraktes - Husten beachten! Verkrustungen an den Nasenöffnungen mit Borkenbildung bei Lämmern sind ein Hinweis auf Lippengrind |
| 6.c. Maul | blassrosa, | Futterreste (unzerkaute) im Maul ohne Wiederkäutätigkeit: Zeichen für Verdauungsstörungen/Stoffwechselerkrankungen/Allgemeinstörungen des Tieres - Zahnfehlstellungen überprüfen bzw. Verletzungen im Maul prüfen verminderter Tonus in der Zunge: Zeichen für Störungen des ZNS-Systems, Kreislaufversagen, Krämpfe in der Zunge/Kieferschluss: Zeichen für Tetanie, Tetanus Verminderte Futteraufnahme: Ursachen im Maul ausschließen!!! |
Bei der Untersuchung des Tieres muss auch auf die Wiederkäutätigkeit des Tieres geachtet werden: Kleine Wiederkäuer kauen jeden Futterbissen ca. 50 – 100 x wieder – je nachdem, wie hoch der Rohfaseranteil der Ration ist.
Pro Minute sind ca. 2 Pansengeräusche erkennbar (ein vollständiger Hauben-Pansenzyklus dauert bei Schaf und Ziege ca. 40-50 min). Die Geräusche sind gut hörbar, wenn man das Ohr fest an die linke Flanke/Bauchseite presst. Das Geräusch ähnelt dem Hinunterspülen in der Toilette. Das Geräusch sollte kräftig und auslaufend sein.
TIERE DIE NICHT WIEDERKÄUEN SIND KRANK! SIND IN 5 MINUTEN KEINERLEI PANSENGERÄUSCHE HÖRBAR, SPRICHT MAN VON PANSENSTILLSTAND!
