
Mutterschaf leckt Lamm trocken
Externe Faktoren, die Wärmeverluste im Lamm beeinflussen
Hypothermie tritt beim Lamm ca. 5 Stunden nach der Geburt auf, vor allem dann wenn das Lamm nicht über ausreichende Fettreserven verfügt (diese werden v.a. im letzten Trächtigkeitsdrittel aufgebaut, weshalb gerade in dieser Zeit auf eine gute Versorgung des Muttertiers geachtet werden muss.
Nahrungsaufnahme in den ersten Lebensstunden
Für die Aufrechterhaltung der Wärmeproduktion muss das Lamm Nahrung aufnehmen. Kann dies das Lamm nicht in ausreichender Menge (z.B. bei Mastitis der Mutter, Milchmangel oder bei Abdrängen durch Wurfgeschwister – meist bei Drillingen oder auch bei Lebensschwäche des Lammes) sinkt die Körpertemperatur nach der 12. Lebensstunde weiter ab.
Um diesen Zeitpunkt beginnt dann das aktive Verhungern des Neugeborenen, da die fetalen Fettreserven nun endgültig aufgebraucht sind. Körpertemperaturen unter 37 °C sind absolut lebensbedrohlich für das Lamm!
Einflussfaktoren für das Entstehen des Krankheitsbildes:
1. Geburtsgewicht
Je geringer das Geburtsgewicht, umso größer ist die Körperoberfläche in Relation zum Gewicht des Lammes à größere Oberflächen kühlen schneller aus, d.h. kleine Lämmer mit niedrigem Geburtsgewicht kühlen schneller aus als große Lämmer.
2. Isolierung durch Bewollung
Die Dicke und Länge der Wolle ist rassebedingt unterschiedlich, allgemein haben reife Lämmer ein ausreichendes Wollkleid, wenn dichtes Wollkleid jedoch lange nass bleibt, fehlt der Wärmeschutz! Unreife, d.h. zu früh geborene Lämmer verfügen nur über sehr dünne Wolle, dies kann bei sehr kalten Temperaturen zum Problem werden (v.a. bei nassen Witterungsbedingungen).
3. Trockenlecken des Lamms durch das Mutterschaf
Erstgebärende lecken ihr Lamm weniger gut trocken aufgrund der neuen Situation. Das Muttertier muss sich erst an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. Bei Mehrlingsgeburten sind die letzgeborenen Lämmer am anfälligsten dafür, dass sie zuwenig gut trockengeleckt werden.
4. Umgebungstemperatur / Zugluft
Je kälter und je höher die Luftfeuchtigkeit der Umgebung ist, desto höher ist die Gefahr von Wärmeverlusten. Zugluft wird v.a. dann lebensgefährlich, wenn zuwenig Einstreu geboten wird und solange das neugeborene Lamm noch feucht ist! Zugluft MUSS vermieden werden.
Die oben angeführten externen Einflüsse auf Wärmeverluste können vom Betriebsleiter festgelegt werden, indem vor allem folgende Maßnahmen getroffen werden:
- Für zugfreie gut belüftete Räume sorgen
- Tiefe, trockene Einstreu bieten
- Geburtsbeobachtung bzw. Hilfestellung beim Saugen in den ersten Lebensstunden
- Angemessene Nährstoff- und gute Vitaminversorgung bereits in der Frühträchtigkeit gewährleisten eine gute Plazentaausbildung und große Früchte
