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Kupfervergiftung – welche Verlaufsformen gibt es?

Ein Zuviel an Kupfer spielt vor allem bei Schafen eine wichtige Rolle, da diese Tiere einen besonders niedrigen Bedarf an diesem Spurenelement haben, die Tiere dazu neigen, das überschüssige Kupfer über Monate in der Leber zu speichern und anzuhäufen, und es so schnell zu einer Überversorgung mit Vergiftungserscheinungen kommen kann.

Akute Kupfervergiftung:

Die akute Vergiftung entsteht meist bei Fütterungsfehlern bzw. Mischfehlern in der Ration (Kraftfutter, Mineralfutter). Besonders gefährdet sind Texel-Lämmer. Bei Lämmern aller Schafrassen reicht bereits eine einmalige Gabe von 25 mg/kg Körpergewicht aus, um akute Vergiftungserscheinungen hervorzurufen, bei ausgewachsenen Schafen kommt es ab einer Menge von 120 – 130 mg/kg Körpergewicht zur akuten Vergiftung. Besonders gefährdet sind Texel-Schafe. Ziegen sind wesentlich widerstandsfähiger, akute Vergiftungen äußerst selten.

Erste Symptome zeigen sich durch vermehrtes Speicheln, vereinzelt können Lämmer erbrechen, kurz danach zeigen die Tiere einen zuerst noch grünlichen, später blutig-rostbraunen Durchfall und Koliken. Die Tiere zeigen rasch eine allgemeine Schwäche und verenden innerhalb von wenigen Stunden.

Bei leichten Fällen hat sich experimentell die Gabe von Magnesiumoxid bewährt, die Tiere wurden innerhalb weniger Tage wieder gesund. In der Praxis kommt meist jede Hilfe zu spät bzw. wenn die Tiere die akute Phase überleben kommt es im Anschluss zur chronischen Kupfervergiftung, da die hohen Kupfergehalte über Monate in der Leber gespeichert werden.

Chronische Kupfervergiftung:

Im Unterschied zur Ziege neigen Schafe dazu, Kupfer in der Leber anzureichern und lange Zeit zu speichern. Darüber hinaus haben Schafe einen vergleichsweise niederen Bedarf an diesem Spurenelement, weshalb bereits bei geringster Überdosierung über einen längeren Zeitraum chronische Vergiftungserscheinungen die Folge sind. Bei Stress (z.B. Parasitenbefall, andere Krankheiten, lange Transporte, Geburt, Schur, abrupte Futterumstellung,…) wird die Leber belastet, es kommt zur vermehrten Zerstörung von Leberzellen, Kupfer gelangt vermehrt in den Blutkreislauf und zerstört die roten Blutkörperchen – ein Teufelskreislauf beginnt.

Bereits mehr als 12 mg Kupfer/kg TS über einen Zeitraum von wenigen Wochen verabreicht – (z.B. durch falsche Milchaustauscher, Kraftfuttermischungen bzw. Mineralfutter für Rinder) – führen bei Schafen, insbesondere bei Lämmern zur chronischen Vergiftung. Im Vergleich dazu führt bei Ziegen erst eine länger andauernde Fütterung von mehr als 50 mg/kg TS zur chronischen Vergiftung. Man kann den Bedarf der Ziegen dem der Rinder in etwa gleichsetzen.

Folgende Fragen müssen sich die Betriebsleiter bei Feststellung einer chronischen Kupfervergiftung stellen:

  • Wurden folgende Komponenten verfüttert:
    a) Gras/Heu/Silage von Flächen in Weinbaugebieten
    b) Gras/Heu/Silage von Flächen mit Schweinegülle-Düngung
    c) Biertreber aus neuen Kupferkesseln?
  • Stammt das Trinkwasser aus neuen Kupferrohren?
  • Wurde beim Bestand kürzlich ein Kupfermangel behandelt?
  • Werden Klauenbäder mit Kupfersulfat durchgeführt?
  • Kann es dabei zu einer Aufnahme gekommen sein (z.B. unbeaufsichtigte Standbäder)?
  • Sind im Boden/Grundfutter niedrige Molybdängehalte vorhanden?

Welche Verlaufsformen zeigen sich beim chronischen Kupfermangel?

Latente (klinisch nicht erfassbare) Vergiftung (häufigste Form):

  • Bis 2 Jahre nach Exposition
  • Keine klinischen Erscheinungen
  • Höhere Infektanfälligkeit
  • Schlechte Zunahmen
  • Fruchtbarkeitsstörungen
  • Fallweise Aborte
  • Oft mit Selenmangel, Parasitenbefall verwechselt
  • Keine klare Ursachenfindung möglich, weil zuviel Zeit zwischen ersten Symptomen und Aufnahme der giftigen Dosis verstreicht

Hämolytische (=blutzerstörende) Phase:

  • im Anschluss an die latente Vergiftung bei Stressbelastung
  • 1 – 3 Monate nach Beginn der Überdosierung
  • Leberzellen werden zerstört
  • Blutzellen (v.a. Erythrozyten) werden zerstört – roter Blutfarbstoff wird im Blutserum sichtbar – manchmal auch Harn braunrot verfärbt
  • Abgenommenes Blut und Blutplasma ist braun verfärbt
  • Gelbsucht (Gelbverfärbung der Schleimhäute sichtbar)
  • Tiere fressen schlecht, sind müde
  • Gesteigerte Atem- und Herzfrequenz
  • Bei Blutuntersuchung werden erhöhte Nierenwerte festgestellt
  • Viele Tiere verenden, vollständige Heilung selten
  • Überlebende Tiere leiden oft an Leberzirrhose, chronischer Abmagerung, ev. „Sonnenallergie” (=Photodermatitis) und sterben nach einigen Monaten

Welche Therapie gibt es bei einer Kupfervergiftung bzw. wie kann ich diese vermeiden?

Bei Feststellung von Symptomen, die auf eine mögliche chronische Kupfervergiftung hinweisen, muss Leberegelbefall, Cobaltmangel bzw. Vitamin E/Selenmangel ausgeschlossen werden. Auch die Eperythrozoonose zeigt eine ähnliche Symptomatik.

Die Diagnose der latenten Vergiftung ist in den meisten Fällen nicht möglich, da die Betriebe erst viel später auf eine mögliche Vergiftung aufmerksam werden. Zeigen sich jedoch erste Anzeichen muss Blut untersucht werden. Die Abklärung hat ausschließlich durch den Tierarzt zu erfolgen! Auch Blutentnahmen und deren Untersuchung sind vom Tierarzt zu veranlassen! Blutabnahmen durch den Tierhalter sind verboten! Von bereits verendeten Jungtieren können auch Leberproben eingeschickt werden und auf die Kupfergehalte untersucht werden.

LEIDER GIBT ES DERZEIT KEINE WIRKSAME BEHANDLUNG VON KUPFERVERGIFTUNGEN BEI SCHAFEN UND ZIEGEN. DIESE WÜRDE IN DEN MEISTEN FÄLLEN AUCH ZU SPÄT KOMMEN, DA BEI DEN ERSTEN ANZEICHEN DER VERGIFTUNG DIE LEBER BEREITS SO STARK GESCHÄDIGT IST, DASS SICH DIE TIERE KAUM MEHR ERHOLEN.

Deshalb ist besonders im Schafbereich auf eine gute Prophylaxe zu achten, um jegliche Vergiftungsmöglichkeit auszuschließen: Aufgrund der hohen Kosten wird eine Futteranalyse selten durchgeführt, ist jedoch anzuraten, wenn es um Schadenersatzforderungen geht (z.B. bei akuter Vergiftung durch Mischfehler). Bei Untersuchungen des Trinkwassers ist der Parameter Kupfer ebenfalls interessant und sollte in Problembetrieben mit Kupfervergiftungen unbedingt mit untersucht werden.

Abschließend ist zu beachten, dass in den meisten Fällen ausreichende Kupfergehalte im Grundfutter enthalten sind, um den Bedarf zu decken. (siehe Eingangskapitel über Kupfer).

DESHALB KANN SPEZIELL BEI SCHAFEN (IM GEGENSATZ ZUR ZIEGE) AUF EINE ZUSÄTZLICHE ZUFUHR VON KUPFER ÜBER KRAFTFUTTER UND MINERALSTOFFMISCHUNGEN IN DEN MEISTEN FÄLLEN VERZICHTET WERDEN. VORSICHT IST GEBOTEN BEI EINSATZ VON EXTRAKTIONSSCHROTEN UND MILCHAUSTAUSCHERTRÄNKEN BEI SCHAFEN. LETZTERE MÜSSEN SPEZIELL FÜR DIE LÄMMERMAST HERGESTELLT WORDEN SEIN.

Termine
27.05.2012 09:00
Altmühltaler Schäferfest
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25.05.2012 09:00
Lämmerverladestelle Plankstetten
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24.05.2012 15:00
Termine der Allgäuer Schafhalter e.V.
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Aktuelles
18.05.2012 10:46
Neuer Verbandsrechtsanwalt
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Ausstellung Oberperfuss
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08.05.2012 09:10
Kilbernschau Tiroler Bergschaf
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