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Milchmastlämmer bei der Tränke

Welche Ursachen gibt es für Durchfallerkrankungen bei Lämmern und Ziegenkitzen?

Man unterscheidet zwischen infektiösen Durchfallursachen und alimentär bedingten Durchfällen (diätetischer Durchfall). Meist kommen Mischinfektionen vor bzw. verkomplizieren sich virusbedingte Durchfälle häufig bei unhygienischen Umweltbedingungen durch sekundäre bakterielle Infektionen.

Bei Durchfällen, die durch Durchfallerreger verursacht werden, unterscheidet man in den ersten Lebenswochen hauptsächlich Virusinfektionen sowie Bakterien als Verursacher von Durchfällen. Nicht vergessen darf man Parasiten, die Durchfälle hervorrufen können (z.B. Kokzidien, Strongyloideslarven,…) Bei den Viruserkrankungen spielen v.a. Rota/Corona, Enteroviren und Parvoviren eine wichtige Rolle. Bei den Bakterien kommt es hauptsächlich durch E.coli, coliforme Keime sowie durch Clostridien und Salmonellen zu hohen Lämmerverlusten.

Wichtig ist, dass zwischen diätetischen und infektiösen Durchfällen unterschieden wird. Leiden die Jungtiere unter erhöhter Temperatur, lässt sich ein infektiöses Geschehen vermuten. Die Therapie und Notfallsmaßnahmen unterscheiden sich meist allerdings kaum.

Achtung:

KURZ VOR DEM TOD IST DIE KÖRPERTEMPERATUR OFT ERNIEDRIGT BZW. BEI HÄUFIGEM KOTABSATZ KOMMT ES ZU MESSFEHLERN WENN REKTAL GEMESSEN WIRD! – (SIEHE UNTERSUCHUNGSGANG BEI SCHAF UND ZIEGE).

Virusbedingte Durchfälle:

Rota/Coronainfektionen sind gekennzeichnet durch eine kurze Inkubationszeit (=Zeit von der Ansteckung bis zum Krankheitsausbruch) von 1 – 3 Tagen, danach zeigen die Lämmer bzw. Kitze reiswasserartigen gelblichen Durchfall, die Körpertemperatur ist meist nur leicht erhöht, kommen keine zusätzlichen bakteriellen Erreger hinzu, die das Krankheitsbild verschlechtern, genesen die Tiere meist innerhalb weniger Tage. Diese Viren treten v.a. in den ersten Lebenswochen auf, können allerdings Lämmer und Kitze bis zur 8. Lebenswoche betreffen. Fast alle Tiere einer Gruppe erkranken, sterben können bis zu 30 % der erkrankten Tiere, v.a. wenn Coronaviren beteiligt sind.

Parasitär bedingte Durchfälle:

Bei Coccidienbefall (=Kokzidien, Parasitenbefall) sind Lämmer hauptsächlich im Alter von 3 – 4 Wochen betroffen. Auffällig ist, dass vor allem am Ende der Lammzeit bei unhygienischer Haltung bzw. unzureichender Zufütterung ein Kokzidienbefall zum Bestandsproblem werden kann. Der Kot ist übelriechend, wässrig, später auch blutig, die Hinterextremitäten und Aftergegend stark verschmutzt. Die Körpertemperatur kann bis zu 2°C erhöht sein (= hohes Fieber!!!), die Tiere sind matt, zeigen wenig bis keinen Appetit, allgemeine Schwäche und verlieren stark an Gewicht. Die ersten Todesfälle treten 2-3 Tage nach Krankheitsbeginn auf. Auffallend ist auch die leicht zu erkennende Blutarmut (blasse Schleimhäute an den Augen erkennbar). Die Maßnahmen bei anderen durch Parasiten bedingte Durchfälle unterscheiden sich lediglich dadurch, dass die Tiere bei Feststellen von Parasiten mit einem geeigneten Wurmmittel behandelt werden müssen (Ursachenabstellung). Zusätzliche Gaben von Stullmisan oder Enteroferment haben sich als wirksam gezeigt, sind aber nicht immer notwendig. (genaueres unter der Rubrik Parasitenbekämpfungsprogramm).

Bakteriell bedingte Durchfälle:

Bakterielle Durchfälle treten ebenfalls vermehrt am Ende der Lammsaison auf – hauptsächlich bei unhygienischen Bedingungen, nasser Einstreu, unzureichender Reinigung der Lämmerboxen bzw. Jungtierboxen, unzureichender Reinigung und Desinfektion der Tränkevorrichtungen und Verabreichung von Kraftfutter mangelnder Qualität (Salmonellenkontaminiertes Futter).

Bei bakteriellen Durchfällen ist die Körpertemperatur meist erhöht, die Krankheitsverläufe sind viel akuter als bei rein viralen Infektionen (ausgenommen Coronainfektionen) – die Tiere verlieren besonders rasch an Flüssigkeit und Puffersubstanzen und sterben bei fehlender Behandlung innerhalb weniger Tage. Die Tiere erholen sich nur langsam, da es meist zu einer schweren Schädigung der Darmschleimhaut kommt, die sich erst nach Wochen wieder neu aufbaut.

Fütterungsbedingte Durchfälle:

Auch Fütterungsfehler (zu hohe Tränkemenge, zu kalte Tränke, schlecht angesäuerte Kalttränke, verschmutzte Lämmerbar, falsche Rationszusammensetzung, zu hohe Salzkonzentrationen, etc.) führen häufig zu Durchfällen. Charakteristisch für diese Art von Durchfällen ist die erhaltene Sauglust der Jungtiere, die Körpertemperatur ist im Normbereich. Die Tiere zeigen ein stark verschmutztes, verklebtes Vlies bzw. Haarkleid, oftmals bemerkt man Haarausfall aufgrund der Übersäuerung des Blutes durch den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust.

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27.05.2012 09:00
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