Durchfallerkrankungen bei Jungtieren ein Problem am Betrieb? – Ein Notfallsplan
Welche Maßnahmen kann und soll ich treffen, wenn plötzlich Durchfall zu einem Bestandsproblem wird?
Bereits wenn die Konsistenz des Kotes von pastös zu dünnbreiig wechselt, ist Vorsicht angezeigt. In diesen Fällen ist es wichtig, die Tiere genau zu beobachten, von der Herde abzusondern und auf reichlich trockener Einstreu und warm unterzubringen. Bewährt hat sich das Anbringen einer Ferkellampe für erkrankte Lämmer/Kitze, damit der Wärmehaushalt leichter aufrecht erhalten werden kann und die Jungtiere nicht zusätzlich Energie verwenden müssen, um sich warm zu halten.
Bleibt der Durchfall über mehr als 2 Tränken bzw. über mehr als 1 Tag aufrecht, ist die zusätzliche Gabe von Elektrolyten (=Puffersubstanzen wie z.B. Bicarbonat) unbedingt erforderlich!
Am besten ist der Tierarzt umgehend zu verständigen, damit dieser eine exakte Diagnose stellen kann und die weitere Therapie veranlässt.
Eine Verabreichung von Antibiotika ist nach heutiger wissenschaftlicher Auffassung nur in den seltensten Fällen (bei schweren bakteriellen Infektionen mit ersten Anzeichen einer „Blutvergiftung”) angezeigt. Viel wichtiger ist der Flüssigkeitsersatz und der Ersatz der Puffersubstanzen (=Elektrolyte).
Bei schwerem Durchfall verlieren die Jungtiere neben der Flüssigkeit vor allem auch Puffersubstanzen wie z.B. Bicarbonat und Natrium, weil diese nicht wieder zurück in den Körper gefiltert werden, sondern mit dem flüssigen Kot verloren gehen. Der Verlust dieser Puffersubstanzen bewirkt eine Ansäuerung des Blutes, der Blut-pH-Wert sinkt stark ab, was wiederum dazu führt, dass die Tiere langsam aber sicher den Saugreflex verlieren, immer matter und teilnahmsloser werden und schließlich ins Koma fallen.
DIESER TEUFELSKREIS MUSS DURCH DIE GABE VON ELEKTROLYTEN VERHINDERT WERDEN, DAMIT DIE TIERE NOCH FÄHIG BLEIBEN ZU TRINKEN.
Der Notfallsplan für Tierhalter bei Durchfällen:
Folgende Maßnahmen sind zu treffen, wenn ein Jungtier an starkem Durchfall leidet:
- Umgehende Unterbringung in eine saubere, gut eingestreute zugluftgeschützte, warme Box
- KEINESFALLS Absetzen der Milchtränke!
- Bei mutterloser Aufzucht:
a) Tränkemenge der Einzelgabe reduzieren (bei Milchaustauschertränke) – mindestens 4 bis 5 Tränken täglich
b) Zwischentränken 2 x täglich mit Tee (aus Eichenrinde oder Salbei, kein Kamillentee und kein Schwarztee), der mit Elektrolyten und 1 Esslöffel Traubenzucker versetzt wurde – Menge auf maximal 100 ml begrenzen - Bei Aufzucht bei der Mutter:
a) Lamm/Kitz beim Muttertier belassen
b) Jungtier mehrmals am Tag anhalten, wenn es bereits zu schwach zum Stehen ist, Milch abmelken, 5-6 x täglich eingeben
c) 2 x täglich Elektrolyttränke eingeben (Menge nicht zu hoch wählen, damit die Tiere die gesamte Menge an Elektrolyten aufnehmen) - Tierarzt sofort verständigen – nicht erst, wenn der Saugreflex erloschen ist bzw. die Lämmer/Kitze nicht mehr stehen können. Dann ist nämlich eine Infusion notwendig.
- Stullmisan® oder Enteroferment® zum Aufbau der Darmflora ist von Vorteil
- Liegen die Tiere fest: NOTFALL: Tierarzt muss umgehend kommen!!! (Notfall dem Tierarzt eindringlich zur Kenntnis bringen)
Rezept für Elektrolyttränke:
½ EFFYDRAL®-TABLETTE ODER 1 ESSLÖFFEL ELEKTROLYTPULVER/BASENPULVER (BICARBONAT) IN CA. 25 ML EICHENRINDENTEE AUFLÖSEN
1 ESSLÖFFEL TRAUBENZUCKER DARIN AUFLÖSEN
Die Elektrolyttränke soll mit einer Spritze ins Maul eingegeben werden, falls das Lamm diese verweigert. Der Kopf darf dabei nicht nach oben überstreckt werden – Gefahr des Einschüttens in die Lunge ist dann zu hoch! Die Elektrolyte können von Kälbern entsprechend verwendet werden. Die Dosis ist auf 1 Tablette pro Tag zu reduzieren. Bei der Wahl der Elektrolyte sind die verschreibungspflichtigen (vom Tierarzt erhältlich) den frei im Handel erhältlichen vorzuziehen, da diese hochwertiger sind und besser helfen als die Bicarbonatpulver aus dem Agrarhandel.
Der Traubenzucker in der Elektrolyttränke hilft als gut verdaulicher Energiespender und ist bei jedem gut sortierten Einzelhändler oder im Reformhaus erhältlich. Dieser wirkt auch bei Eichenrindentee als Geschmacksverbesserer, die Tiere nehmen die Elektrolyttränke oder Teetränke lieber auf. Die Menge von 1 Esslöffel sollte nicht überschritten werden!




