Wie bekämpfe ich das Problem der Breinierenerkrankung?
Da es keine Therapie für erkrankte Tiere gibt, ist besonderes Augenmerk auf die Vorbeugung der Erkrankung zu legen.
Das alleinige Vermeiden plötzlicher Futterwechsel, moderatere Rationszusammensetzungen mit höherem Rohfaseranteil und extensivere Mast tragen zur Vermeidung des Auftretens der Breinierenerkrankung unterstützend bei, reichen jedoch als alleinige Prophylaxemaßnahme in Problembeständen nicht aus.
Ist die Diagnose Breinierenerkrankung bereits bei einigen Tieren gestellt worden, kann man davon ausgehen, dass die restliche Herde mit Cl. perfringens belastet ist. Jeder abrupte Futterwechsel oder Stress-Situationen wirken sich schädlich aus und können zu einem Neuausbruch der Erkrankung bei anderen Lämmern führen, was zu erheblichen Tierverlusten führt.
Deshalb gibt es für gefährdete Tiere auch nur 2 Lösungsansätze:
1. Impfung der gefährdeten Tiere in der Herde:
Bei Diagnosestellung sind die restlichen gefährdeten Lämmer (Lämmer ab 4 Wochen) mit dem Clostridienimpfstoff zu vakzinieren. Nach Möglichkeit sollte die Impfung bei längerer Mastdauer nach ca. 6 Wochen wiederholt werden, um einen optimalen Impfschutz zu erhalten. Es sind einige gute Kombinationsimpfstoffe auf dem Markt, die auch gegen andere Clostridienarten, wie z.B. Tetanus wirken, sowie ein Kombinationsimpfstoff gegen Clostridien und Pasteurelleninfektionen (=Schafrotz).
Tritt die Breinierenerkrankung bereits bei Sauglämmern (intensive Milchmast) auf, kommt die erstmalige Impfung der Jungtiere im Alter von 4 Wochen meist zu spät, um einen ausreichenden Schutz zu gewährleisten. (Bei jeder aktiven Immunisierung muss man mit einrechnen, dass der Körper einige Wochen benötigt, um einen wirksamen Schutz aufbauen zu können)
In diesem Fall setzt man bereits bei den Muttertieren an: Durch Vakzinierung der trächtigen Muttertiere erreicht man einen passiven Schutz der Lämmer. Die Lämmer nehmen ausreichend Antikörper gegen Clostridien über die Muttermilch auf und sind meistens über 8 Wochen sicher vor der Breinierenerkrankung geschützt. Danach sollten Lämmer in besonders gefährdeten Beständen aktiv immunisiert werden, um ein Auftreten der Breinierenerkrankung in der späteren Mastperiode zu vermeiden.
2. Rationsumstellung
Die Tiere sind mit hochwertigem rohfaserreichem Grundfutter (vorzugsweise Heu) und frischem Wasser zu versorgen, erhöhte Vitamin E-Gaben haben sich positiv auf die Bildung von Antikörpern nach einer Impfung ausgewirkt. Die Kraftfutterration ist wiederkäuergerecht zu gestalten, kohlenhydratbetonte Rationen sind mit rohfaserreichem Grundfutter auszugleichen. In der Milchmast sind die Einzelgaben an Milch oder Milchaustauscher zu reduzieren, die Tränkehäufigkeit zu erhöhen. Maßnahmen sind zu treffen, dass sich einzelne Tiere nicht überfressen können (rationierte Fütterung).
Bei Weidewechsel auf junge, eiweißreiche Weiden sind die Lämmer vor Weideaustrieb mit rohfaserreichem Grundfutter (Heu, 1. Schnitt, gutes Stroh) zu füttern, anfangs nur für wenige Stunden auf der Weide zu halten und anschließend wieder in den Stall zu verbringen, bis eine Angewöhnung an die Weide erfolgt ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jede Belastung des Darms bei Anwesenheit von Cl. perfringens einen Ausbruch der Breinierenerkrankung provozieren kann. Deshalb ist ein umsichtiges Fütterungsmanagement und eine möglichst schonende und stressfreie Haltung für die Gesunderhaltung der Herde äußerst wichtig.
In den meisten Fällen, in denen Herden nur gering belastet sind, kann eine ausgewogene Ernährung der Mastlämmer (extensive Mast) bereits das Risiko so wesentlich minimieren, sodass die Verluste in Grenzen gehalten werden. Eine Immunisierung der Herde ist in diesen Fällen meist nicht notwendig.
Entwickelt sich die Breinierenerkrankung zum Bestandsproblem mit erheblichen Lämmerverlusten, reichen alleinige weidetechnische Maßnahmen oder die Umstellung der Ration nicht mehr aus, um die Herde zu sanieren. In diesem Fall muss ein durchdachtes Sanierungskonzept mittels Impfprogramm und Futtermanagement erstellt werden. Die Impfprogramme sollten über mehrere Jahre hindurch eingehalten werden, um optimale Ergebnisse zu erhalten.


