Klauenschneiden und Klauenbäder bei Moderhinke richtig durchführen
An Moderhinke erkrankte Tiere – oder bei Verdacht auf Moderhinke – ist auf ein besonders sorgfältiges Ausschneiden der Klauen zu achten.
Klauenschnitt und Desinfektion
Da die Bakterien an der Luft absolut empfindlich sind, muss Luftzutritt geschaffen werden. Der Klauenschnitt muss außerhalb der Boxen erfolgen – am besten auf einer betonierten Fläche mit gutem Lichteinfall! Dies hat folgenden Sinn: Befallene Hornteile sind hochansteckend!
Fallen diese in die Einstreu, können sich andere Tiere wieder anstecken! Gutes Licht ist notwendig, um alle, auch kleine Spalten und Wunden gut erkennen zu können und kein befallenes Horn stehengelassen wird, wo die Krankheit dann fortschreiten kann.
- Zuerst die Klauen reinigen und Übersicht verschaffen (Abb. 1-3)
- Zuerst Klauenschnitt nach der funktionellen Klauenpflege durchführen, danach
- Wegschneiden aller befallenen und kranken Teile, die nach der Klauenpflege noch vorhanden sind
- Alle Hohlräume unter der Klauenwand öffnen und lose Hornteile soweit zurückschneiden, dass keine Ritzen und Spalten mehr übrig bleiben – (Abb.4)
- Alle Doppelsohlen, Rollklauen und sonstige überstehende Hornteile sorgfältig öffnen und wegschneiden
- Sämtliche Wundstellen vollständig freilegen
- Offene Wundbereiche mit Desinfektionsspray behandeln (Antibiotika-Wundspray erforderlich – Verschreibung vom Tierarzt!)
Befallenes Klauenmaterial das weggeschnitten wurde, ist sorgfältig zu sammeln und zu vernichten. Auf keinen Fall darf der Klauenschnitt innerhalb der eingestreuten Boxen erfolgen, da sonst das kontaminierte Klauenmaterial nicht entfernt werden kann und es so immer wieder zu Neuinfektionen kommt.
Deshalb sollte die Klauenpflege immer außerhalb der Boxen auf einem befestigten Untergrund, der gut zu reinigen und desinfizieren ist, erfolgen. Erst nach der Behandlung sind die erkrankten Tiere (getrennt von gesunden) in weich eingestreuten, trockenen Krankenboxen zu verbringen (am besten verwendet man als Einstreu gehäckseltes Stroh). Die Tiere müssen an allen Körperstellen vollständig trocken sein (Knie, Brustspitz).
Klauenbäder richtig durchführen:
Oft wird vorbeugend und ohne Klauenpflege die Herde durch ein Formalinbad getrieben, dies kann aber genau das Gegenteil des erwünschten Effekts bewirken: Die Klauen werden durch das Bad sehr hart und spröde, Schmerzen werden durch das Auftreten nicht mehr so stark gespürt, in überwachsenen Doppelsohlen können die Bakterien sich sehr gut vermehren und bei der Kontrolle der Klauen fällt der eigentliche Zustand nicht auf. Der Folgeausbruch wird dann umso schlimmer werden!!
In der Tabelle eine kurze Übersicht über gängige Klauendesinfektionsmittel. Die Zumischung von Spülmittel zum Klauenbad ist zu empfehlen, da dadurch die Klauen besser benetzt werden.
| Formalin | Kupfersulfat | Zinksulfat | |
| Aussehen | flüssig, farblos, stechend | hellblaues Salz | weißes Salz |
| Gefahren | giftig, reizt Schleimhäute, Haut, krebserregend | bei Verschlucken gesundheitsschädlich, reizt Augen, Haut, Umweltbelastung | gesundheitsschädlich beim Verschlucken, Umweltbelastung |
| Schutzmaßnahmen | Atemschutz bei Anwendung notwendig, sichere Aufbewahrung, biologisch abbaubar | sichere Aufbewahrung beachten, fachgerecht entsorgen | sichere Aufbewahrung beachten, fachgerecht entsorgen |
| Anwendung | 5 %ig | 10 % ig | 10 - 15 %ig |
| Wirkung | oberflächliche Desinfektion, versiegelnd, festigt Horn, austrocknend | oberflächliche Desinfektion, wirkt härtend auf das Horn | tief desinfizierend, keine so ausgeprägte Härtung wie F. und K. |
| Stabilität | Inaktivierung durch Schmutz (nachdosieren) | Inaktivierung durch Schmutz | sehr stabil |
Man unterscheiden Durchlaufbäder oder Standbäder:
1. Durchlaufbäder
- Wirken in erster Linie oberflächlich desinfizierend und haben zur Vorbeugung einen Sinn. Voraussetzung für Durchlaufbäder sind frisch geschnittene, vorgesäuberte Klauen.
- So langsam als möglich durchtreiben – alle Klauen müssen benetzt werden – über den Kronsaum hinweg (Einwirkzeit mind. 10 Sec.)
- Regelmäßiger Wechsel der Bäder nach Durchlauf mehrerer Tiere (Verschmutzungsgrad senkt Wirkung!)
2. Standbäder
- Mit einem Zinksulfat-Standbad ist die Sanierung eines befallenen Bestandes möglich
- Mind. 30 min. Einwirkdauer (in dieser Zeit kann das Zinksulfat das gesamte Klauenhorn durchdringen und desinfizieren)
- Mindesttiefe: 6-8 cm
- Nach dem Standbad: Klauen auf befestigter, sauberer Fläche abtrocknen lassen (erhöht Wirksamkeit des Klauenbades)
Nach dem Standbad dürfen die Tiere nicht mehr auf die vor der Behandlung beweidete Fläche bzw. in den verschmutzten Stall zurück kommen, da diese kontaminiert sind. Die Aufstallung nach der Behandlung muss auf saubere, trockene Einstreu erfolgen.




