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Wie verläuft Moderhinke und wie erkenne ich erkrankte Tiere?

Knien Schafe längere Zeit auf den Vorderbeinen bzw. laufen die Tiere sogar auf den Karpalgelenken, besteht u.a. dringender Verdacht auf Moderhinke! (Abb.1)

Wie entsteht Moderhinke und welche Faktoren begünstigen die Erkrankung?

Der Primärerreger schädigt das Gewebe vor um anderen Keimen das Eindingen zu erleichtern. Die Krankheit bricht aus, wenn Dichelobacter nodosus und der Sekundärerreger Fusobacterium necrophorum zusammenwirken, da zweiterer tief ins Gewebe eindringt und es zerstört.

Umweltaktoren, die die Erkrankung begünstigen bzw. den Verlauf der Erkrankung verschlimmern können:

  • Schlechte bis keine Klauenpflege (Abb.2)
  • Schlechter Gesundheitsstatus der Herde (Stressbelastungen!)
  • Hochgezüchtete Rassen mit rassebedingt weichem Klauenhorn sind anfälliger!
  • Tiefe morastige Böden, feuchte Stellen (z.B. unbefestigte Tränkeplätze, Abb.3) – feucht warmes Wetter
  • Nasse, tiefe, verschmutzte Einstreu (schlecht gepflegter Tiefstreustall)
  • Hohe Bestandsdichte = erhöhter Infektionsdruck
  • Keine Quarantäneboxen: Tiere mit unbekanntem Moderhinkestatus sind die wichtigsten Eintragsursachen für Moderhinke!!! Die gesunden Tiere sind hochempfänglich für die Erkrankung
  • Mineralstoff-/Vitaminmängel (z.B.: Biotin beeinflusst die Festigkeit des Klauenhorns)

Wie erkenne ich erkrankte Tiere?

Die Krankheit verläuft meist schleichend, zu Beginn hinken einige wenige Tiere, zeigen Schmerzen auf hartem Boden bzw. beginnen beim Fressen auf der Weide auf den Karpalgelenken zu knien. Sobald man einige Tiere auf den Karpalgelenken verweilend ausmacht, ist AKUTER Handlungsbedarf angezeigt! Die Klauen der Tiere sind umgehend zu untersuchen bzw. die Lahmheitsursache ist herauszufinden!

Die wichtigsten Symptome von Moderhinke sind:

  • Lahmheit, die anfangs schleichend beginnt und immer schlimmer wird (Abb.4)
  • Nickende Kopfbewegungen beim Gehen
  • Zu Beginn meist nur 1 – 2 Klauen betroffen, später alle (Abb.5)
  • Zurückbleiben von der Herde, Tiere liegen viel
  • Knien auf den Vorderbeinen aufgrund der Schmerzen in den Klauen: Die Tiere vermeiden es, auf den Klauen zu stehen. Manche laufen sogar auf den “Vorderknien” (= Karpalgelenken)
  • Klauen sind weich, Horn löst sich, abgestorbenes Gewebe, zerklüftetes Horn (Abb. 6)
  • In fortgeschrittenen Stadien: Gelenksschwellung
  • Klauenspalt mit übelriechender Masse gefüllt (charakteristischer süßlich-ekeliger Verwesungsgeruch)
  • Immer mehrere Tiere betroffen! Je länger man zuwartet umso mehr Tiere hinken
  • Loslösen des Klauenhorns bis zum vollständigen Ausschuhen
  • Fäulnisgeruch im Stall

Bei Sekundärinfektionen mit Eitererregern oder coliformen Keimen:

  • Nicht nur Klauen betroffen, sondern auch das umliegende Gewebe (Abb.7)
  • Entzündungen im Ballenbereich und oberhalb des Kronsaums im Zwischenklauenspalt (Verwechslungsmöglichkeit mit Interdigitalabszess möglich)
  • Bei tiefgehender Fäulnis: Einbrechen in Gelenke möglich

In fortgeschrittenen Stadien bzw. bei verkomplizierten Fällen MUSS UMGEHEND behandelt werden! Die Tiere leiden unter unvorstellbaren Schmerzen (Tierschutz!)

Wie lange dauert es von der Ansteckung bis zur sichtlichen Erkrankung?

  • Inkubationszeit: 1 bis 3 Wochen – Verlauf schleichend bis akut – je nach Kondition der Tiere
    Faustregel: je mehr andere Belastungen das Tier beeinflussen und je schlechter die Klauenpflege und der Hygienestatus des Betriebes ist, umso schneller erkranken die Tiere! Zugekaufte Tiere, die eine wichtige Ansteckungsquelle für Moderhinkekeime darstellen sind deshalb unbedingt mindestens 4 Wochen getrennt vom Eigenbestand aufzustallen und zu beobachten!!! Nur so kann ein Einschleppen der gefürchteten Krankheit verhindert werden!
Abb.1 Schaf kniet auf Vorderbeinen
Abb.1 Schaf kniet auf Vorderbeinen
Abb.2 Stallklauen – zu lang angewachsene Klauen biegen sich um
Abb.2 Stallklauen – zu lang angewachsene Klauen biegen sich um
Abb.3 Wasserstelle am Bach - Ansteckungsquelle im Morast
Abb.3 Wasserstelle am Bach - Ansteckungsquelle im Morast
Abb.4 Lahmendes Schaf – Moderhinke
Abb.4 Lahmendes Schaf – Moderhinke
Abb.5 Fortgeschrittene Moderhinke – offene Stelle im Zwischenklauenbereich
Abb.5 Fortgeschrittene Moderhinke – offene Stelle im Zwischenklauenbereich
Abb.6 Moderhinke – abgestorbenes Gewebe bis zur Lederhaut
Abb.6 Moderhinke – abgestorbenes Gewebe bis zur Lederhaut
Abb.7 Moderhinke – am Kronsaum sind offene Stellen erkennbar – Wunde riecht süßlich nach Verwesung
Abb.7 Moderhinke – am Kronsaum sind offene Stellen erkennbar – Wunde riecht süßlich nach Verwesung
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27.05.2012 09:00
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25.05.2012 09:00
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