Wie kann die NMD oder Weißmuskelkrankheit behandelt werden?
Wird die Erkrankung festgestellt, ist es unbedingt nötig, den Mangelzustand in der gesamten Herde zu beheben.
Dazu gibt es zwei wichtige Therapieansätze, die beschritten werden sollten: einerseits die zusätzliche regelmäßige Zufuhr von VitaminE/Selen-angereicherten Mineralstoffmischungen bei den Muttertieren um längerfristig und nachhaltig den Mangel auszugleichen, andererseits die akute Behandlung der Jungtiere mit Selenpräparaten.
Die Behandlung bereits festliegender Jungtiere kommt in den meisten Fällen zu spät, weshalb das Hauptaugenmerk auf die Vorbeugung weiterer Krankheitsfälle in der Herde gelegt werden muss. Bei festliegenden Jungtieren ist die Muskelschädigung bereits so weit fortgeschritten, dass eine Heilung der Tiere sehr unwahrscheinlich ist und – sollte die Behandlung doch ansprechen – in den meisten Fällen mit Spätfolgen wie plötzliche Todesfälle in den ersten Lebensmonaten durch Herzversagen bzw. Kümmern zu rechnen ist.
Im Frühstadium der Erkrankung ist eine Behandlung jedoch unumgänglich und notwendig, um weitere Ausfälle zu vermeiden. Bei einmaliger Verabreichung von VitaminE-Selenpasten bzw. VitaminE-Seleninjektionen kann bereits nach wenigen Tagen eine deutliche Besserung bis völlige Genesung eintreten.
Welche Möglichkeiten zur Behandlung habe ich?
Es gibt einige sehr gute Vitamin-E-Selen-Präparate, die oral verabreicht werden können und aus Selenitverbindungen bestehen. Natriumselenit wird besonders gut vom Körper aufgenommen. Die handelsüblichen Vitamin E/Selenpräparate sind mit Pumpstößen gut dosierbar und einfach in der Anwendung.
Tiergesundheitsdienstmitglieder, die zur Anwendung von Arzneimitteln berechtigt sind, steht auch die Möglichkeit offen, Vitamin-E/Selen-Präparate mittels Injektion selbst zu verabreichen. Dies hat jedoch unter Anleitung des Betreuungstierarztes nach vorheriger Diagnosestellung zu erfolgen.
Die Behandlung der Jungtiere in einem Bestand mit nachgewiesenem Selenmangel sollte so früh als möglich erfolgen. Vorgeschlagene Dosierung:
- 0,5 – 1,5 mg Selen bzw. 300 – 450 I.E. Vitamin E (1-malige Gabe!!!)
- In besonders hartnäckigen Fällen: 2. Behandlung nach frühestens 10 Tagen möglich
- WICHTIG: ÜBERDOSIERUNG VERMEIDEN!
DA SELEN SEHR SCHNELL TOXISCH WIRKT, IST AUF EINE EXAKTE DOSIERUNG ZU ACHTEN!
Es bringt überhaupt nichts, die Lämmer mehrfach innerhalb kurzer Zeit zu behandeln bzw. die Dosis zu erhöhen – im Gegenteil – dies führt nur dazu, dass sich der Mangel in eine Vergiftung umwandelt, die symptomatisch sehr ähnlich aussehen kann. Im ersten Moment glaubt der Laie, dass die Behandlung nicht gewirkt hat, dosiert im schlimmsten Fall noch einmal nach und in Wirklichkeit leidet das Lamm oder Kitz aber bereits an einer Vergiftung, die sich immer weiter verschlimmert, wenn wieder und wieder nachdosiert wird.
DESHALB IST ES NOTWENDIG, NACH DER EINMALIGEN BEHANDLUNG DAS TIER ZU BEOBACHTEN, OB SICH DER ZUSTAND VERBESSERT.
Meist erkennt man eine deutliche Besserung der Symptome innerhalb von 5 – 10 Tagen nach der Behandlung. In subakuten Fällen ist nur eine einmalige Behandlung notwendig, in hartnäckigen Fällen sollte nach frühestens 1 Woche bis 10 Tagen nachbehandelt werden. Manche Handelspräparate schlagen eine Zweitbehandlung frühestens nach 1 Monat vor, um Vergiftungen zu vermeiden. In jedem Fall sind die Dosieranleitungen auf der Verpackung bzw. die Dosisvorgabe des Tierarztes einzuhalten!
Wie kann ich das Bestandsproblem „Vitamin-E-Selenmangel“ in meinem Bestand nachhaltig lösen?
Zu denken, dass die ausschließliche Behandlung der Jungtiere ausreichend ist, um einem Mangel an Vitamin E und Selen in der Herde Herr zu werden, ist ein Trugschluss!
Der Hebel muss zusätzlich auch bei den Muttertieren angesetzt werden, indem man auf eine regelmäßige vorbeugende Zufütterung von Selen und Vitamin E in der gesamten Herde achtet. Nur so kann eine Mangelsituation über längere Zeit ausgeglichen werden und das Bestandsproblem minimiert werden.
Meist wird Selenmangel über längere Zeit nicht bemerkt, da der Verlauf schleichend ist.
Betriebe in Mangelgebieten, die gänzlich auf die Zufütterung von Mineralstoffmischungen verzichten und die Tiere sehr extensiv füttern, die Ration also hauptsächlich aus hofeigenem Grundfutter besteht, das über den Winter konserviert und länger gelagert wird, fallen immer tiefer in eine Mangelsituation hinein, bis das Krankheitsbild plötzlich akut wird und die Lämmerausfälle rapid ansteigen. Besonders begünstigt sind solche Ausbrüche nach heiß-feuchten Sommern, da dann noch weniger Selen im Futter enthalten ist als unter weniger schnellen Aufwuchsbedingungen.
In solchen Betrieben bringt die alleinige Behandlung der akut erkrankten Lämmer meist kein zufriedenstellendes Behandlungsergebnis mehr, da die Muttertiere einfach kein Selen mehr für die Lämmer zur Verfügung stellen können. Eine regelmäßige ausreichende Versorgung der Muttertiere mit Selen und Vitamin E ist notwendig.
Ein mögliches Behandlungsschema könnte auch folgendermaßen aussehen, dass nach feststehender Diagnose aufgrund von Blutuntersuchungen die Muttertiere im letzten Trächtigkeitsdrittel mittels Injektionspräparat behandelt werden, die Lämmer dann in den ersten Lebenstagen ebenfalls.
Zusätzlich dazu muss mit einer Zugabe von Mineralstoffmischungen, die reich an Selen und Vitamin E begonnen werden.
Da Selen ein sehr teures Element ist, wird bei den meisten handelsüblichen Mineralstoffmischungen nur sehr wenig Selen eingemischt. Es gibt jedoch einige sehr gute Mineralstoffmischungen im Handel, die einen erhöhten Gehalt aufweisen. In Selenmangelbetrieben muss darauf geachtet werden, dass tägliche Mindestmengen von 0,3 – 05 mg/kg Trockensubstanz an Selen bzw. 30 – 50 mg VitaminE/kg Trockensubstanz bezogen auf die Tagesration erreicht werden.
