Wie kann ich die Diagnose „Vitamin-E-Selen-Mangel“ frühzeitig absichern und an welche Krankheiten muss ich sonst noch denken?
Diagnostisch lässt sich die Erkrankung einerseits aufgrund den klinischen Symptome bzw. durch eine Blutuntersuchung der Herde absichern.
Wenn die Krankheitssymptome deutlich ausgeprägt sind, ist die Diagnose einfach zu stellen, bei subklinischen Verläufen kann anhand des Serumspiegels an Selen und Kreatinkinase (einem Enzym das als Indikator für den Grad der Muskelzerstörung dient) festgestellt werden, ob ein Selen/Vitamin E-Mangel in der Herde vorliegt.
Die Aktivität vor allem der Kreatinkinase (CK) steigt sehr stark an, wenn Muskelgewebe zerstört wird. Dadurch kann die Erkrankung auch bereits bei Lämmern festgestellt werden, die klinisch noch keine wesentlichen Symptome aufweisen.
Um eine Herdendiagnose zu stellen, muss meist aus wirtschaftlichen Gründen darauf verzichtet werden, die gesamte Herde zu untersuchen, da die Analyse des Blutserumspiegels sehr teuer ist.
IM ALLGEMEINEN REICHEN ALLERDINGS DIE PROBEN VON EINIGEN REPRÄSENTATIVEN MUTTERTIEREN AUS, UM DEN VERDACHT EINES SELENMANGELS ZU BESTÄTIGEN.
Wenn der Verlauf der Krankheit nicht akut ist, können erhöhte CK oft nicht festgestellt werden, der vorgefundene Selengehalt im Blut spiegelt jedoch die momentane Versorgungssituation sehr genau wider. Weisen einige der untersuchten Tiere zu geringe Selenwerte auf, kann von einem Mangel in der Herde ausgegangen werden.
Im nächsten Schritt muss in jedem Fall die Futterqualität objektiv beurteilt werden. Bei Einsatz von Mineralfutter ist auf dessen Gehalt an Selen und Vitamin E (-Tocopherol) zu achten. Es sollte auf Spezialmineralfuttermittel mit erhöhtem Vitamin E/Selengehalt zurückgegriffen werden, um Defizite besser ausgleichen zu können. Diese sind zwar verhältnismäßig teuer, da Selen ein wertvolles Element ist, aber nur solche Mischungen vermögen den Mangel auszugleichen.
Differentialdiagnosen:
Erkrankungen, die oft mit NMD verwechselt werden:
- Chronische Kupfervergiftung (bei der späten Form)
- Kupfermangel
- Kobaltmangel
- CCN (Vitamin B1-Mangel)
- Rachitis, Gelenksentzündungen
- Listeriose
- Tetanus, Rauschbrand – selten!!!
- Leberegelbefall (bei älteren Lämmern)
- Bornasche Erkrankung (Borna Virusinfektion, Borna Disease)
