Wie zeigt sich Selenmangel in meiner Herde?
Das charakteristische Krankheitsbild eines Selen/Vit.E-Mangels zeigt sich vor allem bei den Lämmern mit Bewegungsstörungen, Lebensschwäche und Schmerzen in den Skelettmuskeln.
Selenmangel tritt in der gesamten Herde auf, nicht nur bei den Lämmern! Nur zeigt sich der Mangel stärker bei den Jungtieren. Die Mutterschafe oder –ziegen scheinen nach außen hin gesund zu sein. Man bemerkt lediglich häufiger Sterilitäten oder eine allgemein verminderte Immunabwehr. Da die Muttertiere jedoch zu geringe Selenwerte im Blut haben, leiden auch bereits die Föten unter Selenmangel.
Bei den Jungtieren zeigt sich dieser Mangel dann klinisch. Durch die Schädigung der Muskulatur bereits im Mutterleib werden entweder tote Lämmer oder lebensschwache Lämmer geboren, die nicht fähig sind zu stehen.
Dadurch entsteht dann ein zusätzlicher und neuer Teufelskreis: Die Lämmer bzw. Kitze sind nicht fähig, am Muttertier zu saugen um die überlebensnotwendige Biestmilch aufzunehmen – die Überlebenschancen sinken drastisch.
Das gehäufte Auftreten der Erkrankung im Spätwinter und Sommer lässt ich einfach erklären: Zum einen sind Lämmer und Kitze bereits im Mutterleib akut von einem Selen-Vit.E-Mangel betroffen und können diesen nicht kompensieren, weshalb die Erkrankung hauptsächlich in der Ablammsaison erkennbar wird. Zum anderen hängt die Selenversorgung direkt mit dem Futterangebot zusammen. Im Spätwinter ist der Gehalt an Vitamin E durch die lange Lagerzeit und den manchmal zusätzlich vorkommenden schlechten Lagerbedingungen bereits sehr gering, wodurch ein latenter Mangel beim Muttertier plötzlich akut werden kann. Sehr schnell aufgewachsenes Gras in feucht-heißen Sommern kann nur geringe Mengen an Selen einbauen, die Folge ist wiederum ein Selenmangel beim Muttertier trotz an sich ausreichender Se-Gehalte im Boden.
Man unterscheidet nach dem Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankung 2 Formen:
1.) Die kongenitale (angeborene) Form des Selenmangels (bereits bei Neugeborenen)
2.) Die entwicklungsbedingte Form des Selenmangels (erst bei Jungtieren)
Symptome bei der kongenitalen Form:
- Totgeburten
- Geburt lebensschwacher Lämmer
- Lämmer stehen nicht gut oder können gar nicht aufstehen (bei Hilfestellung: schlaffes Umfallen des Lammes)
- Meist gesenkter Kopf (Nackenmuskulatur ist nicht im Stande Kopf aufrecht zu halten)
- Verminderter Saugreflex
- Hinterhandschwäche, Verweilen in hundesitziger Stellung
- Schnellere Atmung
- Herzrhythmusstörungen (unregelmäßiger Herzschlag erkennbar)
- Tod kurz nach der Geburt bzw. in den ersten Lebenstagen
Symptome bei der entwicklungsbedingten Form bei älteren Lämmern/Kitze ab der 2. Lebenswoche:
- Schleichender Verlauf
- Sehr gut genährte und bis zum Krankheitsausbruch gut entwickelte Tiere am stärksten betroffen
- Schwankender Gang, Torkeln, unnatürlich langes Liegen, hundesitzige Haltung
- Aufgekrümmter Rücken (Schmerzäußerungen bei Berührung)
- Lämmer saugen gut und fressen bis zum Verenden annähernd normal
- Im Lendenbereich schmerzhafte, geschwollene Muskulatur (sieht aus wie gut entwickelte Muskelmasse, Schwellung entsteht aber durch die Schädigung der Muskelzellen)
- Atemnot und schnelle Atmung wenn v.a. die Zwerchfell- und Brustmuskeln mitbetroffen sind
- In fortgeschrittenem Stadium: braun verfärbter Harn, Herzrhythmusstörungen
- Allgemeiner körperlicher Verfall, Festliegen, Tod
IN MANCHEN FÄLLEN STEHT DIE SCHÄDIGUNG DES HERZMUSKELS IM VORDERGRUND. IN DIESEN FÄLLEN ENTWICKELN SICH DIE LÄMMER ZU BEGINN GANZ NORMAL, FANGEN JEDOCH NACH WENIGEN WOCHEN AN ZU KÜMMERN, SIND APATHISCH, SCHWÄCHER UND FRESSEN WENIGER. BEWEGEN SICH DIE LÄMMER/KITZE BEOBACHTET MAN, DASS DIE TIERE PLÖTZLICH STEHEN BLEIBEN UND MIT GESENKTEM KOPF INNEHALTEN. IN DIESEM STADIUM SIND HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN DEUTLICH ERKENNBAR.
