Wodurch wird Selenmangel bzw. Vitamin E-Mangel verursacht oder begünstigt?
Selenmangelerkrankungen beobachtet man vor allem in Gebieten wo unzureichende Mengen an Selen im Boden vorkommen. Österreich (bzw. Mittel- und Nordeuropa) ist als Selenmangelgebiet bekannt, weshalb auf ausreichende Selenzufuhr geachtet werden sollte.
Untersuchungen von Manfred Sager (Kompetenzzentrum Elemente, AGES Wien – Beitrag zur ALVA Tagung 2005: „Selen und andere Spurenelemente in der österreichischen Landwirtschaft“) haben gezeigt, dass in Österreich durchschnittlich Gesamt-Selengehalte von 0,11 bis 0,41 mg/kg Feinboden gefunden wurden, wobei bei seinen Analysen keinerlei Selenangereicherte Böden in Österreich gefunden wurden. In Ackerbaugebieten kommt in der Regel etwas weniger Selen im Boden vor als im Grünland.
Generell ist zu beachten, dass elementares Selen nicht von den Pflanzen aufgenommen werden kann und somit an den Boden gebunden bleibt und für die Pflanzen und somit in späterer Folge für die Tiere nicht verfügbar ist. Von den Pflanzen werden hauptsächlich Selenit, Selenat und Aminosäuren aufgenommen. Bei zu geringem Gehalt an aufnahmefähigen Selenverbindungen im Boden nehmen die Pflanzen zu wenig Selen auf, wodurch nur geringe Selengehalte im Futter für die Schafe und Ziegen vorhanden sind. Es entsteht ein zuerst unbemerkter Mangel, der sich immer weiter verschlimmert, bis erste klinische Symptome in der Herde auftreten.
Folgende Ursachen können für direkten Selenmangel in der Herde verantwortlich gemacht werden:
- Selenmangelböden (tonarme, eisenreiche obere Bodenschichten) – z.B.: Sandböden, Moorböden
- Hohe Sulfatgehalte im Boden (Schwefel beeinträchtigt die Selenaufnahme in der Pflanze) – z.B.: in Industriegebieten
- Feucht-warme Witterung: begünstigt Selenmangel in den Pflanzen, auch wenn verhältnismäßig ausreichend Selen im Boden vorhanden ist (die Pflanzen wachsen zu schnell auf und können in der kurzen Zeit nicht genug Selen speichern bzw. wird Selenat und Selenit durch zuviel Niederschlag ausgewaschen)
- Schnell aufwachsende Kulturen (Pflanze nimmt bis zur Ernte im Vergleich zu langsam aufwachsenden Kulturen zuwenig Selen auf)
Da der Selengehalt des Futters auch von der Bearbeitung und Lagerung abhängig ist, können noch zusätzliche Faktoren wirksam werden, die zu einem Selenmangel in der Herde führen.
Folgende Faktoren begünstigen/verstärken den Selenmangel bzw. erhöhen den Bedarf an Selen für die Tiere:
- Selenverluste bei Futteraufbereitung (Überhitzung über 100°C bei Trocknung von Heu bzw. Getreide
- Selenverluste während der Lagerung ( Schimmelbelastung)
VITAMIN E UND SELEN KÖNNEN SICH GEGENSEITIG IN DER WIRKUNG VERTRETEN. ÜBERLAGERTE ODER SCHLECHT GELAGERTE FUTTERMITTEL ENTHALTEN ABER SO GUT WIE KEIN VITAMIN E MEHR, WODURCH EIN SELENMANGEL SICH NOCH STÄRKER AUSWIRKT, DA DIE UNTERSTÜTZUNG DES VITAMIN E FEHLT.
Wie reagiert Vitamin E?
Vitamin E (Tocopherol) wird immer vollständig im Körper umgesetzt, der Hauptspeicher für Vitamin E ist die Leber bzw. Niere. Zum Erntezeitpunkt enthalten die Futtermittel ausreichende Mengen an Vitamin E, man kann davon ausgehen, dass zu diesem Zeitpunkt die Versorgung gedeckt ist. Vitamin E reagiert aber sehr empfindlich auf äußere Einflüsse.
Der Gehalt an diesem Vitamin sinkt sehr rasch bei folgenden Einflussfaktoren:
- Fettverderb des Futtermittels (Vitamin E wird dabei inaktiviert)
- Vitaminverlust bei Verarbeitung (hohe Trocknungstemperatur, niedrige pH-Werte im Futter, Propionsäurezusatz)
- Verlust an Vitamin E bei Heugewinnung (Heu enthält weniger Vitamin E als Grünfutter)
Schimmelbefall, feuchtes Heu / Getreide
