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Wirtschaftlichkeit der Milchschaf- und Milchziegenhaltung
Autoren: Dr. Leopold KIRNER und Dipl.-Ing. Josef HAMBRUSCH
Berechnungsgrundlagen als Excel-Datei zum downloaden siehe unten!
1. Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit
EINLEITUNG
Zur Milchschaf- und Milchziegenhaltung existieren keine standardisierten betriebswirtschaftlichen Auswertungen in Österreich. Die folgenden Berechnungen beruhen auf produktionstechnischen und betriebswirtschaftlichen Kalkulationsgrundlagen verschiedener Quellen: Annahmen auf Basis der Deckungsbeiträge und Daten für die Betriebsplanung 2007/2008 sowie Betriebserhebungen, wissenschaftliche Untersuchungen sowie Erhebungen auf Praxisbetrieben. Die Wirtschaftlichkeit der Milchschaf- und Milchziegenhaltung ist vor allem Ergebnis von Produktionstechnik, Produkt- bzw. Faktorpreisen und Betriebsgröße. Daher werden diese Einflussgrößen im Folgenden variiert, um die Bandbreite von möglichen Ergebnissen aufzuzeigen.
ALTERNATIVE KLEINE WIEDERKÄUER
Die Milchschaf- und Milchziegenhaltung hat in den vergangenen Jahren als mögliche Alternative zur Milchkuhhaltung an Bedeutung gewonnen. Zum einen nimmt in Österreich die Anzahl der Milchkühe stetig ab, weil durch die Leistungssteigerung weniger Milchkühe benötigt werden. Schafe und Ziegen könnten somit in Zukunft eine größere Rolle bei der flächendeckenden Bewirtschaftung und der Offenhaltung von Kulturlandschaften spielen.
Zum anderen nimmt die Nachfrage nach Produkten aus der Schaf- und Ziegenhaltung stetig zu. In einigen Regionen Österreichs haben sich Molkereien zur Verarbeitung von Schaf- bzw. Ziegenmilch etabliert. Die Milchproduktion mit Schafen und Ziegen erfordert zudem keine Kosten für Milchlieferrechte, weil es keine Milchquotenregelung gibt. Die Umstellung auf Milchschaf- und Milchziegenhaltung erfordert jedoch seitens der Bauern und Bäuerinnen ein hohes Maß an Eigeninitiative. Da sie eine Nische in der österreichischen Landwirtschaft darstellt, gibt es weniger Anbieter für Betriebs- und Produktionsmittel sowie weniger Abnehmer für ihre Produkte. Lösungen bei bestimmten Problemen müssen häufig im Alleingang gesucht und gefunden werden.
WO SIND DIE UNTERSCHIEDE?
Im Folgenden soll anhand von Beispielskalkulationen die Wirtschaftlichkeit der Schaf- und Ziegenmilchproduktion durchleuchtet und mit der Milchkuhhaltung verglichen werden. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf Betrieben, die ihre Milch an Molkereien liefern.
2. Deckungsbeitrag je Muttertier
Als Ausgangspunkt für alle weiteren Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit der Milchschaf- und Milchziegenhaltung dient der Deckungsbeitrag je Muttertier. Er errechnet sich aus der Differenz von variablen Leistungen und variablen Kosten. Er soll die fixen Kosten abdecken und darüber hinaus einen Gewinnbeitrag erzielen.
2.1. Berechnungsgrundlagen
Tabelle 1 fasst die wichtigsten Berechnungsgrundlagen für den Deckungsbeitrag, getrennt für die Milchschaf- und Milchziegenhaltung, zusammen. Unterschieden wird einerseits zwischen einem durchschnittlichen und einem hohen Produktionsniveau (höhere Milchleistung) und andererseits zwischen konventioneller und biologischer Wirtschaftsweise.
GRUNDWERTE
Bei durchschnittlichem Produktionsniveau wird mit einer Milchleistung von 400 kg je Mutterschaf und von 650 kg je Mutterziege gerechnet. Bei einem höheren Produktionsniveau werden zusätzlich 50 kg je Mutterschaf und 100 kg je Mutterziege kalkuliert.
KITZ/LÄMMER-AUFZUCHT
Die Verfütterung von Vollmilch wird bei der biologischen Wirtschaftsweise mit 80 kg je Muttertier, bei der konventionellen Bewirtschaftung mit 20 kg (ab dann Fütterung mit Milchaustauscher) veranschlagt.
OSTERKITZ/OSTERLAMM
Die nicht für die Remontierung benötigten Lämmer werden mit 42 kg, Kitze mit 15 kg verkauft, wobei der Marktwert schwer zu quantifizieren ist und saisonbedingt stark schwankt (rege Nachfrage zu Ostern).
GETREIDEMISCHUNG
Der Kraftfuttereinsatz richtet sich nach der Milchleistung, der Kraftfutterpreis wird zwischen biologischer und konventioneller Wirtschaftsweise differenziert.
PREISGESTALTUNG
Da der Milchpreis einen großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Schaf- und Ziegenmilchproduktion hat, soll kurz auf wesentliche Preisbildungsfaktoren, wie sie sich zurzeit in Österreich gestalten, eingegangen werden. Wie bei der Kuhmilch sind Fett- und Eiweiß die Wert gebenden Inhaltstoffe und beeinflussen den Milchpreis maßgeblich. Zu beachten ist dabei der höhere Eiweiß- und Fettgehalt von Schafmilch. Auch die Milchqualität bezogen auf die Keim- und Zellzahl schlägt sich in Form von Zu- und Abschlägen direkt auf das Milchgeld nieder. Darüber hinaus spielt der saisonale Milchanfall eine wichtige Rolle, da Wintermilch (etwa von Oktober bis März) in der Regel höhere Preise erlöst. Im Gegensatz zur Kuhmilch werden bei Schaf- und Ziegenmilch die Transportkosten extra ausgewiesen und direkt vom Milchgeld abgezogen. Vom errechneten Milchpreis sind Transportkosten in der Höhe von etwa 3 bis 5 Cent je kg Milch sowie zusätzlich Untersuchungskosten und etwaige Beiträge in Abzug zu bringen. Ohne Berücksichtigung dieser Abzugsposten wird der Milchpreis in den Berechnungen mit 0,95 € je kg Schafmilch und 0,65 € je kg Ziegenmilch angenommen, die Biomilchpreiszuschläge betragen jeweils 5 Cent.
2.2. Berechnung des Deckungsbeitrags
DB
Die Berechnung des Deckungsbeitrags je Muttertier mit allen Einzelpositionen stellt Tabelle 2 dar. Der Milcherlös nimmt in der Milchschafhaltung etwa 70 %, in der Milchziegenhaltung ca. 85 % der Leistungen ein. Der Lämmerverkauf spielt eine größere Rolle als der Kitzverkauf, weil Lämmer in der Regel ein höheres Schlachtgewicht erreichen und auch insgesamt eine größere Nachfrage nach Lammfleisch besteht.
LEISTUNGSSTEIGERUNG
Eine um 50 kg höhere Milchleistung je Mutterschaf erhöht die variable Leistung um etwa 50 €, eine um 100 kg höhere Milchleistung je Mutterziege zwischen 65 € (konventionelle Wirtschaftsweise) bzw. um 70 € (biologische Wirtschaftsweise).
FIXKOSTEN-VARIABLE KOSTEN
Die variablen Kosten setzen sich aus vielen verschiedenen Posten zusammen. Wichtigste Position ist der Kraftfuttereinsatz. Etwa ein Viertel der variablen Kosten bei konventioneller Wirtschaftsweise entfällt auf Kraftfutter, in der biologischen Wirtschaftsweise sind es je nach Produktionsverfahren zwischen 36 % und 40 %. Der Einsatz von Milchaustauschern trägt in der konventionellen Bewirtschaftung zu etwa einem Fünftel der variablen Kosten bei. Die Kosten für die Einstreu nehmen etwa zehn Prozent ein. Für die Vermarktung der Milch werden 5 Ct/kg Schafmilch und 4 Ct/kg Ziegenmilch veranschlagt, wodurch sich je nach Produktionsverfahren Vermarktungskosten in Höhe von 16 € bis 27 € je Muttertier errechnen.
DB BEIM MILCHSCHAF
Der Deckungsbeitrag je Milchschaf differiert je nach Produktionsniveau und Wirtschaftsweise zwischen 321 € und 359 €. Der Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Wirtschaftsweise ist marginal. Eine um 50 kg erhöhte Milchleistung (höheres Produktionsniveau) lässt den Deckungsbeitrag um knapp 40 € oder ca. 11 % steigen.
DB BEI DER MILCHZIEGE
Bei der Milchziegenhaltung wird je nach Produktionsniveau und Wirtschaftsweise ein Deckungsbeitrag von 295 € bis 374 € ausgewiesen. Bei der biologischen Wirtschaftsweise wird ein um etwa 9 % höherer Deckungsbeitrag errechnet. Eine um 100 kg höhere Milchleistung verbessert den Deckungsbeitrag um rund 50 € je Milchziege.
Tabelle 2 informiert zusätzlich über den Einfluss des Milchpreises (Variation um 5 bzw. 10 Ct je kg) auf den Deckungsbeitrag.
3. Deckungsbeitrag je Hektar Futterfläche
Wie gut die Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung im Vergleich zu Produktionsverfahren der Milchkuhhaltung die Fläche verwertet, kann mit Hilfe des Deckungsbeitrags je Hektar Futterfläche ausgedrückt werden.
Zuerst wird ermittelt, wie viele Muttertiere je ha Futterfläche gefüttert werden können. Zur besseren Vergleichbarkeit mit der Milchkuhhaltung wurde in den Berechnungen unterstellt, dass gleich viele Milchschafe und Milchziegen je ha gehalten werden (sieben Stück). Der Deckungsbeitrag je Muttertier wird daher mit sieben multipliziert, von diesem Produkt werden die variablen Grundfutterkosten je ha (in dieser Arbeit mit 345 € je ha veranschlagt) abgezogen. Aufgrund des höheren Lebendgewichtes und des damit verbundenen höheren Erhaltungsbedarfs haben Schafe in der Regel einen etwas höheren Futterbedarf als Ziegen und benötigen mehr Futterflächen. Der ausgewiesene Betrag kennzeichnet den Deckungsbeitrag je ha Futterfläche (aggregierter Deckungsbeitrag).
Abbildung 1 veranschaulicht den Deckungsbeitrag je Hektar Futterfläche für die Milchschaf- und Milchziegenhaltung und vergleicht ihn mit der Milchkuhhaltung. Die Berechnungsgrundlagen für die Milchkuhhaltung, getrennt nach durchschnittlichem (5.500 kg Milch je Kuh und Jahr) und hohem (7.000 kg) Produktionsniveau, entstammen den Deckungsbeiträgen und Daten für die Betriebsplanung 2007/2008. Aus der Gegenüberstellung kann Folgendes abgeleitet werden: Die Milchschaf- und Milchziegenhaltung ist bei der Verwertung der Fläche der Milchkuhhaltung leicht überlegen. Im Mittel errechnet sich für die Milchschaf- und Milchziegenhaltung ein De-ckungsbeitrag je ha Futterfläche von etwa 2.000 €, während die Milchkuhhaltung auch bei hö-herem Produktionsniveau und biologischer Wirtschaftsweise (inkl. Biomilchpreiszuschlag) weniger als 1.800 € erzielt.
SONSTIGE VERFAHREN
Andere Betriebszweige wie Lämmermast, Mutterkuhhaltung oder Rinde-raufzuchtverfahren wurden in diesem Vergleich nicht berücksichtigt, weil sie bei weitem geringere Ansprüche an den Arbeitszeitbedarf stellen und als extensive Betriebszweige häufig im Nebenerwerb geführt werden. Im Allgemeinen liegt die Flächenproduktivität der erwähnten Betriebszweige weit unter jenem der Schaf- und Ziegenmilchproduktion.
4. Beitrag zu den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft
Schließlich stellt sich die Frage, welchen Beitrag die Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung zu den Einkünften aus der Land- und Forstwirtschaft (im Folgenden auch als Beitrag zu den Einkünften bezeichnet) leistet.
4.1. Kalkulation und Berechnungsgrundlagen
Der Beitrag zu den Einkünften aus der Land- und Forstwirtschaft wird ermittelt, indem ausge-hend vom Deckungsbeitrag je ha Futterfläche die Direktzahlungen hinzugezählt sowie die auf-wandsgleichen Fixkosten abgezogen werden. Die Direktzahlungen des Beispielbetriebs umfas-sen die einheitliche Betriebsprämie, die ÖPUL-Prämien und die Ausgleichszulage (150 Berghöfekataster-Punkte). Die aufwandsgleichen Fixkosten enthalten schwerpunktmäßig Ab-schreibungen für Gebäude und Maschinen, Instandhaltungskosten für Gebäude, Stromkosten, Steuern, Versicherungen sowie Verwaltungskosten. Der Beitrag zu den Einkünften aus der Land- und Forstwirtschaft stellt das Entgelt für die familieneigene Arbeitsleistung sowie die Ver-zinsung des eingesetzten Eigenkapitals in der Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung dar.
Ausgewählte Annahmen zur Berechnung der aufwandsgleichen Fixkosten sowie für den Ar-beitseinsatz in der Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung fasst Tabelle 3 zusammen. Drei Be-triebsgrößen werden in der Milchschaf- und Milchziegenhaltung berücksichtigt: 80, 140 und 200 Muttertiere. Bei sieben Milchschafen bzw. Milchziegen pro Hektar Futterfläche errechnet sich daraus ein Bedarf von 11,4 ha, 20,0 ha und 28,6 ha Futterfläche. In den Kosten für Stallgebäude und der Arbeitszeit je Muttertier sind Effekte der Größendegression, resultierend aus den un-terschiedlichen Betriebsgrößen, berücksichtigt. Bei der Ermittlung des Beitrags zu den Einkünf-ten wurde unterstellt, dass ausschließlich eigenes Land, familieneigene Arbeitskräfte und Ei-genkapital in der Milchschaf- und Milchziegenhaltung eingesetzt werden.
4.2. Berechnung des Beitrags zu den land- und forstwirtschaftlichen Einkünften
Grundlage für die Berechnung ist der Deckungsbeitrag je Muttertier auf Basis des durchschnitt-lichen Produktionsniveaus (siehe Tabelle 2). Aus Tabelle 4 ist ersichtlich, wie der Beitrag zu den Einkünften aus der Land- und Forstwirtschaft für die Milchschafhaltung ermittelt wird. Für die konventionelle und die biologische Wirtschaftsweise errechnet sich ein fast identisches Er-gebnis. Die höheren Gemeinkosten bei biologischer Wirtschaftsweise resultieren aus den Bio-Verbands- und Kontrollgebühren.
Als Beitrag zu den Einkünften aus der Land- und Forstwirtschaft werden knapp 14.500 € (80 Milchschafe), rund 28.500 € (140) und ca. 45.000 € (200) ausgewiesen. Der Beitrag zu den Einkünften je Arbeitskraftstunde (inkl. Außenwirtschaft) erhöht sich mit zunehmender Bestandesgröße von 6,1 € (80 Milchschafe) auf 9,2 € (200). Die Direktzahlungen nehmen je nach Betriebsgröße zwischen 39 % und 61 % des Beitrags zu den Einkünften ein.
Die Berechnung für die Milchziegenhaltung zeigt Tabelle 5, wiederum ist der Deckungsbeitrag auf der Grundlage des durchschnittlichen Produktionsniveaus errechnet (siehe Tabelle 2). Für die biologische Wirtschaftsweise wird ein höherer Beitrag zu den Einkünften ermittelt, was sich aus dem höheren Deckungsbeitrag je Milchziege ableitet. Der Beitrag zu den Einkünften aus der Land- und Forstwirtschaft variiert je nach Bestandesgröße von knapp 11.600 € bis etwa 37.800 € (konventionelle Wirtschaftsweise) bzw. von knapp 14.500 € bis rund 45.300 € (biologische Wirtschaftsweise). Je Arbeitskraftstunde werden je nach Wirtschaftsweise bei 80 Milchziegen zwischen knapp 5 und gut 6 €, bei 200 Milchziegen zwischen 7,7 und 9,3 € ermittelt. Im Be-rechnungsbeispiel beläuft sich der Anteil der Direktzahlungen am Beitrag zu den Einkünften bei den Milchziegen je nach Betriebsgröße auf 44 % bis 67 %.
4.3. Vergleich mit der Milchkuhhaltung
Wie sich die in den Tabellen 4 und 5 errechneten Beiträge zu den Einkünften aus der Land- und Forstwirtschaft im Vergleich zur Milchkuhhaltung darstellen, wird nachfolgend geprüft (siehe Abbildung 2). Verglichen wird, welcher Beitrag zu den Einkünften bei 11,4 ha, 20,0 ha und 28,6 ha Futterfläche über Milchschafe bzw. Milchziegen einerseits und Milchkühe andererseits er-wirtschaftet wird. Angenommen ist, dass je Hektar Futterfläche eine Milchkuh inklusive Nach-zucht gefüttert werden kann. Für die Berechnung der Abschreibung für das Stallgebäude wurden in der Milchkuhhaltung Stallplatzkosten von 6.000 € (11,4 Kühe), 5.000 € (20,0) und 4.000 € (28,6) veranschlagt. Für die Melktechnik wurden je nach Bestandesgröße zwischen 25.000 € und 45.000 € kalkuliert. Die weiteren Gemeinkosten wurden nicht zwischen Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung einerseits und Milchkuhhaltung andererseits differenziert. Je Milchkuh wurden 100 AKh (11,4 Kühe), 80 AKh (20,0) und 60 AKh (28,6) veranschlagt.
Nach den vorliegenden Berechnungen liegt der Beitrag zu den Einkünften je Betrieb in der Milchschaf- und Milchziegenhaltung höher als in der Milchkuhhaltung (siehe Abbildung 2). Hauptursache dafür ist der höhere Deckungsbeitrag je ha Futterfläche. Demgegenüber schnei-det die Milchkuhhaltung etwas besser ab, wenn der Beitrag zu den land- und forstwirtschaftli-chen Einkünften auf die veranschlagte Arbeitszeit bezogen wird. Dieser beträgt in der Milch-kuhhaltung je nach Bestandesgröße zwischen 6,5 und 11,9 € je AKh und zwischen 6,1 und 9,1 € je AKh in der Milchschafhaltung. Mit knapp 5 bis 7,7 € je AKh fällt der Beitrag zu den Einkünften in der Milchziegenhaltung etwas geringer aus.
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5. Umstellung von Milchkühe auf Milchschafe
5.1. Vorüberlegungen
Wie sich eine Umstellung von Milchkühen auf Milchschafe (Milchziegen bleiben im Folgenden unberücksichtigt) rechnet, kann in dieser Arbeit nur ansatzweise beantwortet werden, da die Umstellungsvoraussetzungen von Betrieb zu Betrieb variieren. Zuerst gilt es zu prüfen, ob und wie die erzeugte Milch überhaupt am Markt abgesetzt werden kann: Gibt es eine Molkerei, die die Milch mit vertretbaren Transportkosten vom Betrieb abholt oder soll die Milch am Betrieb weiterverarbeitet werden? Wie sieht es mit den zur Verfügung stehenden Arbeitszeitressourcen aus? Zudem spielt für die Wettbewerbsfähigkeit der Milchschafhaltung eine Rolle, in welchem Zustand sich Stallgebäude und –technik in der Milchkuhhaltung befinden: Müssten auch in der Milchkuhhaltung Investitionen im Bereich des Stalles durchgeführt werden? Wenn nicht, dann kann Kuhmilch in den nächsten Jahren zu niedrigen Grenzkosten produziert werden. Schließlich gilt es zu prüfen, welche Investitionen bei einer Umstellung auf die Milchschafhaltung zu tätigen sind und ob die Milchquote noch zu guten Preisen verkauft werden kann.
5.2. Wirtschaftlichkeit und Finanzierungsbedarf
Bei der Wirtschaftlichkeit wird geprüft, wie sich der Beitrag zu den Einkünften aus der Landwirt-schaft bei Umstellung von der Milchkuhhaltung auf die Milchschafhaltung entwickelt (jeweils konventionelle Wirtschaftsweise und Milchablieferung an Molkerei). Der Rechengang kann Ta-belle 6 entnommen werden. Analysiert wurden zwei Szenarien, die Umstellung bei 11,4 ha Fut-terfläche (von 11,4 Milchkühe auf 80 Milchschafe) und 28,6 ha Futterfläche (von 28,6 Milchkühe auf 200 Milchschafe). Außerdem werden zwei Varianten berechnet, je nachdem, ob das Stall-gebäude bzw. die Stalltechnik in der Milchkuhhaltung vor der Umstellung auf die Milchschafhal-tung abgeschrieben ist oder nicht. Ausgehend vom Gesamtdeckungsbeitrag wird die Abschrei-bung für Maschinen (unterscheidet sich nicht zwischen Milchkuh- und Milchschafhaltung) abge-zogen. Die Abschreibung für den Milchkuhstall wird für jene Variante bei Umstellung auf die Milchschafhaltung berücksichtigt, bei der eine weitere wirtschaftliche und technische Nutzung des Stalles möglich gewesen wäre. Bei der Umstellung auf die Milchschafhaltung werden zu-dem die Kapitalkosten des Stallumbaus in Rechnung gestellt. Die Gemeinkosten fallen wieder unabhängig von der Produktionsrichtung an.
Unter den getroffenen Annahmen wird bei einer Umstellung auf die Milchschafhaltung eine hö-here Rentabilität auf Ebene des Betriebszweigs erzielt. Nur bei dem einen Fall (in der Tabelle nicht extra ausgewiesen) mit abgeschriebenem Milchkuhstall und ohne Ersatzinvestitionen auf kurze Frist wäre eine Weiterbewirtschaftung mit Milchkühen rentabler („AfA Stall Milchkühe“ laut Tabelle 6 wäre bei der Milchkuhhaltung dann nicht zu berücksichtigen). Die Umstellung auf die Milchschafhaltung erhöht jedoch signifikant den erforderlichen Arbeitseinsatz (im Schnitt um 80 %). Daher vermindert sich der Beitrag zu den Einkünften je Arbeitskraftstunde tendenziell bei Umstellung auf die Milchschafhaltung.
Die Umstellung auf die Milchschafhaltung erfordert Investitionen in den Stallumbau inklusive Melktechnik sowie in den Tierzukauf (300 € je Milchschaf inkl. anteilige Kosten für Böcke). Der tatsächliche Finanzierungsbedarf ergibt sich nach Abzug der Investitionsförderung (30 %) und dem Erlös aus Rinder- und Milchquotenverkauf. Tabelle 7 gibt zudem Auskunft über die jährliche Annuität, wenn ausschließlich über Fremdkapital finanziert würde.
6. Fazit
Aus den Berechnungen lassen sich einige allgemeingültige Aussagen ableiten: Die Milchschaf- und Milchziegenhaltung weist eine außerordentlich hohe Flächenproduktivität aus, die in der Regel die Milchkuhhaltung deutlich übertrifft. Die Milcherzeugung mit Kleinwiederkäuern ist daher jenen Betrieben zu empfehlen, die bei geringer Flächenausstattung im Haupterwerb wirtschaften wollen. Auch für Milchkuhbetriebe mit geringer Quotenausstattung oder mit anstehenden Ersatzinvestitionen kann der Einstieg in die Milchschaf- oder Milchziegenhaltung eine Überlegung wert sein, zumal Altgebäude zumeist mit geringem Umbauaufwand adaptiert werden können. Die Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung ist jedoch sehr arbeitsintensiv, wodurch der Beitrag zu den Einkünften je Arbeitskraftstunde tendenziell etwas niedriger liegt als in der Milchkuhhaltung. Bei Umstellung auf die Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung müssen somit freie Arbeitskapazitäten mit niedrigen Opportunitätskosten für die Arbeitskräfte vorliegen.
Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung ist die Produk-tion. Nur bei hohem Produktionsniveau kann ein zufrieden stellender Deckungsbeitrag je Mut-tertier erzielt werden, der die Grundlage für eine hohe Rentabilität des Betriebszweigs darstellt. Eine um 50 kg höhere Milchleistung bei Milchschafen verbessert den Beitrag zu den Einkünften aus der Land- und Forstwirtschaft bei 80 Muttertieren um etwa 3.000 € bzw. bei 200 Muttertieren um fast 8.000 €. Kleine Unterschiede im Deckungsbeitrag pflanzen sich bei hohen Stückzahlen besonders fort. Natürlich spielt auch der Milchpreis eine wesentliche Rolle bei der Wirt-schaftlichkeit, jedoch ist dieser von Bauern und Bäuerinnen weniger beeinflussbar als die Pro-duktionstechnik. Ob die konventionelle oder biologische Wirtschaftsweise rentabler ist, hängt in erster Linie vom erzielbaren Mehrpreis für die verkaufte Milch ab.
Die Erzeugung von Schaf- bzw. Ziegenmilch kann auch bei geringer Flächenausstattung den Haupterwerb in der Landwirtschaft sichern. Je nach Produktionsniveau, Investitionsbedarf etc. sind bei ausschließlichem Milchverkauf über die Molkerei etwa 100 bis 150 Muttertiere erforder-lich. Wird ein Teil der Milch direkt vermarktet, sind deutlich niedrigere Bestandesgrößen für den Haupterwerb möglich.
Allgemein lässt sich aus den Berechnungen und der vorliegenden Analyse ableiten, dass Milch-schafe bzw. Milchziegen eine wirtschaftliche Alternative für Familienbetriebe in Österreich dar-stellen. Vor einem Einstieg in die Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung sind die betrieblichen Voraussetzungen genau zu prüfen und detaillierte Informationen über die Produktionstechnik zu sammeln. Schließlich gilt es zu überlegen, ob die Arbeit mit Milchschafen bzw. Milchziegen län-gerfristig Freude bereitet.
PS: Datengrundlagen als Excel-Datei

Berechnungsgrundlagen
Naturaldaten, Preise, Kosten sowie Aufstellung der aufwandsgleichen Fixkosten der Schafmilch- und Ziegenmilchhaltung
zB:
Preise
Milchpreis
Lamm-/Kitzpreis
Preis Alttier
Wollpreis
Milchaustauscher
Kraftfutter Muttertier
Kraftfutter Lamm/Kitz
Stroh
Vermarktungsgebühren Milch
Kosten
Bestandesergänzung
Lecksteine, Mineralstoffe
Tiergesundheit
Bockabwertung
Schafschur
Kosten Milchgewinnung
Verbandsbeiträge etc.
Herzlichen Dank an die Autoren:

http://www.agraroekonomik.at
Dr. Leopold KIRNER
leopold.kirner@awi.bmlfuw.gv.at
und
Dipl.-Ing. Josef HAMBRUSCH
josef.hambrusch@awi.bmlfuw.gv.at
Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, A-1030 Wien, Marxergasse 2











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