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Liebesbedürftige Ziegen im Stall.

Die Fortpflanzung der Ziegen

Die Brunst der Ziegen

Der überwiegende Teil aller Ziegen ist saisonal, dh der Brunstzyklus wird vom Jahrenrhythmus ausgelöst, die Brunst der Tiere wird von der abnehmenden Tageslänge gesteuert und vom Bockgeruch stimuliert. In der Regel werden die Ziegen 60 – 90 Tage nach dem längsten Tag im Jahr (Sonnenwende) brünstig. Ein wesentliches brunstauslösendes Instrument ist weiters noch der Bockgeruch. Auch der Sexualtrieb des Ziegenbockes ist jahreszeitlich verschieden stark. Einige Rassen unterliegen nicht der strengen Saisonalität und können dadurch mehr oder weniger über das ganze Jahre be-fruchtet werden. Es gilt jedoch auch für sie, daß die Hauptbrunstzeit in die Herbstmonate fällt. Einen gewissen Einfluß auf das Brunstgeschehen haben auch die Haltungsbedingungen und die Fütterung. Der Allgemeinzustand spielt dabei ebenfalls eine gewisse Rolle.

Verhalten der Ziegen
Der Sexualtrieb bei den Ziegen ist sehr ausgeprägt. Die Brunstzeichen sind für jeden Halter offensichtlich. Brünstige Tiere sind unruhig, wedeln mit dem Schwanz und suchen hingebungsvoll nach Böcken. Das Aufspringen auf andere Ziegen, die Schwellung der Scham und Rötung der Schleimhaut sind weitere äußerliche Merkmale. Das Ziegenmeckern ist in der Brunstzeit unüberhörbar. Ziegen sind durchschnittlich 30 Stunden brünstig. Der Brunstzyklus wiederholt sich alle drei Wochen. Das Brunstverhalten kann auch durch ein sogenanntes „Lichtprogramm“ relativ gut gesteuert wer-den. Man braucht hier nur die natürliche Tagesverkürzung mit elektrischem Licht oder der Verdun-kelung von Fenstern der Natur nachmachen.


Aktive Böcke bringen´s!

Verhalten des Bockes

In der Brunstzeit ist die sexuelle Gier beim Bock fast unersättlich. Körperlich und konditionell starke Böcke können täglich bis zu zwanzig Ziegen decken. Die Liebesspiele der Ziegenpaare sind eine reine Augenweide. Sie sind faszinierend zu beobachten. Das Umwerben, das Animieren, der Austausch von Zärtlichkeiten und die Erregung verblüfft jedes Mal aufs neue. Jedes weibliche Tier und jeder Bock liebt auf seine eigene Art und Weise. Der Geschlechtsakt wiederholt sich in der Regel bei jedem Tier mehrmals.

Die Deckaktivität des Bockes ist von einigen Faktoren abhängig:

 Vom Charakter und dem Temperament des Tieres
 Vom Alter
 Von der Haltung und Fütterung
 Von der Jahreszeit (im Herbst sind die Böcke am aktivsten)
 Vom körperlichen und konditionellen Zustand

Die Befruchtungsfähigkeit hängt sehr stark von der Samenqualität ab, die wiederum von der Fütte-rung und Tagestemperatur abhängig ist. An sehr heißen Tagen ist die Samenqualität deutlich herabgesetzt.


Unfruchtbarkeit

Es kommt in der Ziegenhaltung relativ häufig vor, daß es bei weiblichen und männlichen Tieren zu sogenannten „Zwitterbildungen“ kommt. Zwitter sind Tiere, die weder männlich noch weiblich sind.

Äußerliche Kennzeichen:
Weibliche Zwitter sind meistens am Aussehen bzw. am Verhalten erkennbar. Vom Aussehen her ähnelt der Kopf und der Bart oft den männlichen Wesen. Ein besonderes Merkmal ist, wenn beim Harnlassen der Harnstrahl mehrmals unterbrochen in größerem Bogen abgegeben wird. Bei genau-erer Betrachtung und beim Betasten der Scheide kann man am Scheidenausgang am unteren Ende ein kirschkerngroßes Gewächs feststellen. Dies ist ein typisches Zeichen für die Zwitterbildung. Bei einem Teil der Zwitter sind die äußeren Merkmale nicht ersichtlich, die Geschlechtsorgane haben sich innerlich verändert.
Bei den Böcken sind typische Zeichen: ein kleiner Hodensack und das Ver-setztsein der Rute am Unterbauch. Bei Zwitter beginnt der Rutenausgang oft ein beachtliches Stück hinter der Nabelnarbe. Bei diesen Böcken erkennt man erst bei genauerer Betrachtung, daß sie beim Decken die Rute nicht oder zu wenig weit in die Scheide einführen können. Weiters kommt es bei Zwitterbildung öfter vor, daß keine äußerlichen Veränderungen feststellbar sind, aber der Samen nicht befruchtungsfähig ist.

Hornlosigkeit
Man weiß von verschiedenen Untersuchungen, daß die Zwitterbildung bzw. Unfruchtbarkeit der Ziegen sehr stark mit der Hornlosigkeit in Verbindung steht. Erbforscher haben herausgefunden, daß das Merkmal Hornlosigkeit von einem Gen abhängig ist, das auch zugleich für die Hornbildung verantwortlich ist. Dieses Gen kommt nicht zum Tragen, wenn mindestens ein Elternteil gehörnt ist. Zuchtvereinigungen, die sich zum Ziel gesetzt haben, nur hornlose Tiere zu züchten, sind in nur relativ kurzer Zeit kläglich an ihrem Vorhaben gescheitert.

Achtung: Bei strenger Selektion auf hornlose Tiere, wäre die Ziegenpopulation zum Aussterben verurteilt!


Zwillingsgeburten sind "normal".

Die Zuchtreife

Ziegen sind sehr frühreife Geschöpfe. Schon im Alter von 3 bis 4 Monaten setzt die erste Brunst ein. Meistens ist der Brunstzyklus in diesem frühen Alter noch nicht regelmäßig. Viele sind aber schon befruchtungsfähig. Der optimale Deckzeitpunkt hängt sehr stark vom Entwicklungsstadium ab. Ziegen unter 35 kg sollten auf keinem Fall gedeckt werden. Dieses Gewicht erreichen sie in der Regel mit etwa 7 Monaten. Körperlich schlecht entwickelte Ziegen sollten erst im darauffolgenden Jahr gedeckt werden.

Unterentwickelte Tiere haben bei zu früher Bedeckung mit folgenden Nachteilen zu rechnen:

• Geburtsschwierigkeiten
• Geringe Milchleistung
• Unbefriedigende Weiterentwicklung
• Sie bleiben sehr oft ein ganzes Leben lang Kümmerer.

Die Fruchtbarkeit der Ziegen ist naturgemäß sehr gut. Im langjährigen Durchschnitt überwiegen Zwillingsgeburten. Es werden mehr Drillinge als Einlinge geboren.


Kitze in Gruppenhaltung

Trächtigkeit

Ein sehr großer Prozentsatz (über 90 %) werden nach der ersten Befruchtung trächtig. Die Trächtig-keit dauert 145 – 155 Tage. Meistens erfolgt die Ablammung nach 150 Tagen. Bei Mehrlingsgeburten ist die Trächtigkeitsdauer um wenige Tage kürzer. Zwergziegen tragen in der Regel 142 Tage. Äußerlich zeigt sich die Trächtigkeit am zunehmenden Bauchumfang und Rückgang der Milchleis-tung. Ab 3 Monate Trächtigkeitsdauer kann man bei der Ziege in der rechten Bauchhälfte die Föten fühlen. Der Tierarzt kann durch eine Blutprobe aufgrund des Progesterongehaltes ebenfalls die Trächtigkeit feststellen.

Trockenstellen
Trächtige Milchziegen sollen mindestens 8 Wochen trockenstehen, d.h. das Melken ist einzustellen. In der Trockenstehzeit bildet sich in der ersten Phase das Euter zurück. In den letzten 4 Wochen wächst der Fötus mehr als in den 4 Monaten vorher. Außerdem wird in der 2. Phase der Trockenstehzeit das Euter wieder neu aufgebaut. Die weitverbreitete Meinung, daß in der Trockenstehperi-ode die Futtermenge oder Qualität reduziert werden sollte, ist falsch. Auch in der Vorperiode zum Trockenstehen ist von einer Futterreduzierung abzuraten. Alle Ziegen, auch Hochleistungstiere las-sen sich ohne Probleme trockenstellen. Der wichtigste Faktor ist die Hygiene. Das Trockenstehen soll in einem Zug erfolgen, d. h.nach dem letzten Melken soll das Euter nicht mehr angerührt werden. Wenn sich das Euter auch prall anfühlt, sollte man nicht ängstlich sein. Ist im Euter der gleiche Druck wie im Körper vorhanden, hört die Milchproduktion auf, und die im Euter befindliche Milch wird vom Körper resorbiert. Nur in äußersten Fällen sind sogenannte „Trockensteller“ in den Zitzenkanal zur Vorbeugung von Euterentzündungen einzuführen.

In der Trockenstehphase erholt sich die Ziege körperlich. Sie setzt für die kommende Laktation Re-serven an . Reserven werden nicht nur äußerlich angesetzt (Gewichtszunahme), sondern sehr wichtig ist auch die Speicherung von Spurenelementen in den Röhrenknochen (Knochenmark). Diese Reserven werden bei Leistungstieren zur Überbrückung von Fütterungs- und Haltungsfehler dringend benötigt. Tiere, die hohe Leistungen bringen, die über das Futter nicht abgedeckt werden, mobilisieren das Reservelager. Die Trockenstehphase beeinflußt auch die Entwicklung der Föten sehr positiv. Bei zu kurzem Trockenstellen werden oft sehr kleine und lebensschwache Lämmer geboren. Ist die Trockenstehphase zu kurz, dann sinkt auch die Leistung in der nächsten Laktation und wirkt sich negativ auf das Allgemeinbefinden der Ziege aus. Auch die Lebenserwartung verringert sich.


Saanenziegen

Geburtsperiode

Die geburtsnahe Periode ist für eine erfolgreiche Ziegenhaltung von großer Bedeutung. Die letzten Wochen vor der Geburt bestimmen zu einem beträchtlichen Teil über Erfolg oder Mißerfolg.

Durch eine artgerechte Haltung werden positiv beeinflußt:

  • Entwicklung des Euters
  • Vitalität des ungeborenen Lammes
  • Leistungsstärke der Ziege nach der Geburt
  • Lebenserwartung und konditioneller Zustand

Äußerliche Zeichen in der geburtsnahen Periode sind:
 Großer Bauchumfang
 Pralles Euter
 Rötung und Vergrößerung der Schamlippen
 Eventuelle Beschwerden beim Aufstehen und in den Bewegungen
 Verminderte Futteraufnahme
 Absondern von der Herde
 Verstärktes Suchen um Aufmerksamkeit (äußert sich im Meckern des Tieres)

Bei der Geburt selber setzen zuerst die Wehen ein, dann wird die Fruchtblase sichtbar. Nach Auf-brechen der Fruchtblase (ohne fremde Hilfe) sind bei normaler Lage des Lammes die Vorderfüße und der Kopf sichtbar. Ist die Mutterziege in einem guten Allgemeinzustand und die Lage des Lam-mes normal, braucht die Ziege keine Geburtshelfer.

Geburtsprobleme treten häufiger auf, wenn
 Jungziegen zum ersten Mal lammen und noch körperlich unterentwickelt sind,
 die Mutterziegen in einem schlechten Allgemeinzustand sind,
 verkehrte Lagen des Lammes vorhanden sind,
 die Frucht schon im Mutterleib abgestorben ist,
 bei Einzelgeburten das Lamm überdurchschnittlich groß ist,
 Schwergeburten schon erblich verankert sind.

Wichtig:
Bei einer Normalgeburt sollte nicht eingegriffen werden, bei Geburtskomplikationen ist Geburtshilfe nötig. Der Zeitabstand zwischen dem ersten und dem weiteren Lamm beträgt in der Regel 15 – 20 Minuten. Nach dem Lammen kümmert sich die Ziege, ausgelöst durch ihren Mutterinstinkt, selbst um die Lämmer. Sie leckt meist sofort nach der Geburt den Schleim und die Geburtsrückstände vom Lamm (durch das Lecken wird der Stoffwechsel angeregt).


GEBURTSHILFE

Geburtshilfe

Ist Geburtshilfe notwendig, dann ist äußerste Vorsicht geboten. Der erste Schritt ist das Reinigen und Desinfizieren der Hände. Erfahrene Ziegenhalter erkunden durch das Eingreifen in den Geburtskanal die Lage der Jungen. Mit einigem Geschick können Falschlagen korrigiert werden. Nach dem Korri-gieren der Falschlagen leistet man Geburtshilfe, indem man an den Füßen und am Kopf leicht anzieht. Bei Geburten, die schon länger dauern, kann man Gleitmittel verwenden (Schmierseife). Leistet man Geburtshilfe, so ist nach jedem geborenen Lamm zu kontrollieren, ob sich noch ein weiteres im Ziegenbauch befindet. Bei Schwergeburten ist es ratsam, antibiotikahaltige Stäbchen in die Gebärmutter einzuführen. Dies verhindert sehr oft eine Infektion und dadurch verursachte Un-fruchtbarkeit. Die Abnabelung erfolgt so, daß mindestens 10 cm Nabelschnur am Lamm bleiben.

Werden Nabeldesinfektionen vorgenommen, so ist in erster Linie Jod zu empfehlen. Auf keinem Fall soll man mit Alkohol desinfizieren. Alkohol erweitert die Venen und ermöglicht so, einen leichteren Bakterieneintritt. In Kaltställen ist es bei Minustemperaturen sehr wichtig, daß das Lamm von der Ziege trockengeleckt oder vom Geburtshelfer trockengerieben wird. Trockene Ziegen frieren in der Regel nicht.

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Wenn es nicht alleine klappt – Geburtshilfe richtig leisten

Dr. Daniela Bürstel, Klinik für kleine Klauentiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Nach einer rund 150 Tage dauernden Trächtigkeit bei Schaf und Ziege werden in der Regel ein bis zwei Lämmer geboren. Dabei treten in bis zu 20 % der Fälle Geburtskomplikationen unterschiedlicher Ursachen auf.Das Eintreten der Geburt wird bei guter Tierbeobachtung anhand verschiedener charakteristischer Merkmale und Verhaltensweisen der Muttern erkannt:

Dazu gehören
􀂙 das „Aufeutern“ mit starker Schwellung des Euters in den letzten Tagen vor der Geburt,
􀂙 die Schwellung im Bereich der Scheide,
􀂙 das Einfallen der Beckenbänder (bei der Ziege gut zu erkennen) und
􀂙 das Absondern des Muttertieres von der Herde mit langen Liegephasen
􀂙 Stunden bis Tage vor der Geburt sind schon wehenähnliche Kontraktionen bei den Tieren zu beobachten, die auf die passive Phase der Geburt (Eröffnungsphase) hinweisen
􀂙 unmittelbar vor dem Geburtstermin kommt es zum Einschuss der Milch in die Zitzen, was ein straffes Abstehen zur Seite bewirkt

Die sichtbare Phase der Geburt (Austreibungsphase) sollte bei Einlingen nach ca. 30 Min., bei Zwillingen nach etwa 70 Min. abgeschlossen sein. Dabei gilt für den Lammhelfer in erster Linie genau zu beobachten, Ruhe zu bewahren und nicht zu früh einzugreifen.Dauert die Geburt ungewöhnlich lange oder sind Komplikationen erkennbar, sollte, um Schaf und Lämmer zu retten, eingegriffen werden.

Maßnahmen zur Geburtshilfe werden nötig, wenn
􀂙 es nach zunächst guter Wehentätigkeit zum Stillstand der Geburt kommt, und auch bei guter Bauchpresse keine Fruchtteile erscheinen
􀂙 die Fruchtblase geplatzt ist und auch eine Stunde später kein Lamm geboren ist oder
􀂙 das Lamm im Geburtsweg stecken bleibt

Bei der Geburtshilfe muss mit größtmöglicher Sauberkeit und Sorgfalt vorgegangen werden. Einmalhandschuhe, Gleitgel, saubere Stricke und ein Atemstimulans für die Lämmer sollten jetzt bereitgehalten werden.

Nach Reinigung von Händen und auch des, im optimalen Fall, geschorenen Schambereichs sollte der Geburtsweg unter Verwendung von viel Gleitgel vorsichtig ohne Gewalt untersucht werden. Fehlerhafte Haltungen der Lämmer bzw. mehrere Lämmer im Geburtsweg können zunächst versucht werden zu korrigieren, auch ein schlecht geöffneter Muttermund kann mit 1-2 Fingern evtl. geweitet werden. Ist aber bei allen Maßnahmen kein Fortschritt ohne starke Kraftanwendungen zu erreichen, sollte der Tierarzt gerufen werden. Dieser kann durch Verabreichen von Medikamenten ein Voranschreiten der Geburt ermöglichen, bzw. abhängig davon, ob es sich um lebende oder tote Früchte handelt, dann mittels Kaiserschnitt bzw. Fetotomie die Geburt beenden.

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Termine
06.10.2012 11:00
Zuchtschafversteigerung Herbst 2012
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30.09.2012 08:00
Kärntner Brillenschaf - Zentrale Widderkörung/Versteigerung
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29.09.2012 08:00
Krainer Steinschaf - Zentrale Widderkörung
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Aktuelles
11.05.2012 11:35
Ausstellung Oberperfuss
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08.05.2012 09:10
Kilbernschau Tiroler Bergschaf
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07.05.2012 15:37
Vollversammlung 2012
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