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Historische Tierhaltung

Bis vor wenigen Jahrzehnten hielten der Großteil aller Grünlandbetriebe unterschiedliche Tierarten. Der Grund dafür lag nicht nur darin um eine Selbstversorgung mit unterschiedlichen Produkten zu gewährleisten, Ziel war auch eine bestmögliche Grünlandnutzung und arbeitszeitschonende Weidewirtschaft.

Das sich unsere Bauern bis vor 2 bis 3 Generationen neben Rindern auch Pferde, Schafe und Ziegen sowie in geringem Maße auch Schweine hielten ist nicht nur dem Umstand der weitgehenden Selbstversorgung mit Fleisch und Milchprodukten sowie der schwierigen Haltbarmachung dieser Produkte zuzuschreiben. Sicherlich einer der Hauptgründe waren die möglicht vollständige Ausnutzung der ohnedies sehr begrenzen Futterressourcen während der Vegetationszeit und das mangelnde Winterfutter.

In den Frühlingsmonaten wurden von den Rindern die Hutweiden in den Tallagen beweidet bis sie bei Ausaperung der Bergregion über Waldweidenutzung möglichst rasch auf die Almen getrieben wurden. Im Herbst erfolgte dann eine Nachwiede der Mähflächen. Pferde und Ochsen dienten als Arbeitstiere und erhielten Futter von hofnahen Flächen, darunter oft sogenanntes Rossheu von Feuchtstandorten. Das Futter der Schweine bestand neben Nahrungsabfällen vor allem aus Ampfer (Saublätsch'n) der oft eigens in sogenannten Ampergärten kultiviert wurde und Futter aus Waldweidewirtschaft. Die Hauptaufgabe der Ziegen lag in der Milchversorgung der Bauersleut samt Gesinde während der Sommermonate. Das Futter der Ziegen bestand vorwiegend aus Laub und Reisig aus ausgeklügelter Futterlaubwirtschaft (Buchtipp: Laubgeschichten von M. Machatschek erschinen im Böhlau Verlag Wien). Ebenso wurden die Ziegen im Frühjahr und Herbst auf Hutweiden und Almen getrieben um hier vorrangig Gehölze zu verbeisen. Nach der Ziegenbeweidung folgte meist ein Weidegang mit Schafen die nun das frische Grünfutter der freigestellten Weidenflächen nutzten. Im Sommer waren die Schafe meist in den höchsten Almlagen.

Besondere Schwierigkeiten hatte man mit der ausreichenden Futterversorgung des Viehs während der Wintermonate. Grundsätzlich wurde allen Nutztieren Schnaitelheu verabreicht. Unter Schnaitelheu verstanden die Bauern Laub von vorwiegend Bergahorn, Gemeiner Esche und Fichtenreisig. Ebenso wurde im Herbst das Falllaub der Laubmischwälder gerecht und im Winter dann verfüttert. Das Wiesen- und Bergmahdheu wurde vor allem für die Rinder, Kälber und Pferde aufgespart, obwohl diese ebenfalls vom Laubheu eine Ration bekamen. Neber der Nährfunktion hatte Futterlaub auch eine Bedeutung zur Parasitenbekämpfung. Auch wurde Durchfall der Tiere damit bekämpft und die Fresslust der Tiere wurde durch Laubgabe gesteigert (Machatschek 2002).

Erst das Einsetzen der Mechanisierung in der Landwirtschaft um 1950 führte zur Spezialisierung in der Tierhaltung. Nur mit Hilfe von Maschinen war es möglich größere Flächen rasch und effizient zu bewirtschaften. Ab dieser Zeit stieg auch die Anzahl der gehaltenen Tiere pro Hektar Grünland enorm und durch bessere Düngemöglichkeit (Einsatz von Handelsdünger aber auch in erster Linie wesentlich größere Wirtschaftsdüngermengen) konnte der Ertrag von Wiesen vervielfacht werden. Ab diesem Zeitpunkt kam es jedoch zur Unternutzung von Grenzertragsstandorten.

Abb.1 Kalb mit Schaf auf der Postalm
Abb.1 Kalb mit Schaf auf der Postalm
Abb.2 Ziegen zur Selbstversorgung von Milch und Fleisch
Abb.2 Ziegen zur Selbstversorgung von Milch und Fleisch
Abb.3 Rinder und Schweine nutzen das Futter im herbstlichen Obstgarten
Abb.3 Rinder und Schweine nutzen das Futter im herbstlichen Obstgarten
Abb.4 Weidenutzung der höchsten Almregionen durch Schafe
Abb.4 Weidenutzung der höchsten Almregionen durch Schafe
Abb.5 Bergheu wurde für Rinder und Pferde aufgespart
Abb.5 Bergheu wurde für Rinder und Pferde aufgespart
Abb.6 Ertragssteigerung erst durch Mechanisierung
Abb.6 Ertragssteigerung erst durch Mechanisierung
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02.09.2010 14:01
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